Paris. In den Satelliten des europäischen Navigationssystems Galileo sind mehrere wichtige Atomuhren ausgefallen. Derzeit seien neun Uhren betroffen, so der Chef der europäischen Raumfahrtagentur ESA, Jan Wörner, am Mittwoch in Paris. "Wir wissen nicht, ob wir sie wiederbeleben können." Eine zehnte Uhr war vorübergehend ebenfalls ausgefallen, funktionierte später aber wieder.

Die Uhren sind entscheidend, damit das System funktioniert. Weil aber jeder Galileo-Satellit insgesamt vier Uhren an Bord hat, sei bisher kein Satellit dadurch ausgefallen. Die Ursache für das Problem ist noch nicht gefunden. Unklar ist auch, ob sich damit der weitere Ausbau des milliardenschweren Prestigeprojekts verzögern könnte. "Bisher ist die Funktionsfähigkeit von Galileo nicht gefährdet", betonte Wörner. "Aber wir sind nicht blind: Falls dieser Fehler systematisch ist, müssen wir vorsichtig sein."

Derzeit 18 Satelliten im All

Die Satelliten müssen ihre Signale gleichzeitig aussenden, damit etwa Navigationsgeräte im Auto ihre Position auf der Erde möglichst exakt bestimmen können. Dazu reicht aber eine funktionsfähige Uhr pro Satellit aus. Bisher seien selbst im schlimmsten Fall nur zwei Uhren ausgefallen.

Aktuell sind 18 Galileo-Satelliten im All, das System soll bis 2020 voll funktionsfähig sein und dann 30 Satelliten umfassen. Erst im Dezember hatten ESA und EU-Kommission den Start erster Galileo-Dienste gefeiert. Das Prestigeprojekt war in den vergangenen Jahren wegen großer Kostensteigerungen und jahrelanger Verzögerungen immer wieder in der Kritik. Galileo soll Europa vom amerikanischen GPS unabhängig machen.

Nun wird auch darüber diskutiert, ob der für Anfang August geplante nächste Raketenstart mit Galileo-Satelliten verschoben werden sollte, um zunächst den Grund für den Fehler zu finden.