Berlin. Das Jahr 2016 war das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Nicht nur am Great Barrier Reef in Australien wurden schwere Schäden festgestellt, sondern auch aus dem Pazifik vor dem Inselstaat Kiribati, aus dem Indischen Ozean vor den Malediven und aus Japan kommen Hiobsbotschaften über kränkelnde oder sterbende Riffe. All dies scheint die Befürchtung zu bestätigen, dass die bunten Unterwasserstädte nicht gut für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerüstet sind. Doch Korallenforscher haben nicht nur schlechte Nachrichten. Zumindest einige der kleinen Riffbaumeister sind echte Überlebenskünstler. Vielleicht können auch ihre empfindlicheren Kollegen überleben, wenn sie sich in günstige Refugien zurückziehen.

In das düstere Bild von der Zukunft der Riffe mischen sich also helle Flecken. Dabei haben Korallen heute mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Eine der größten ist die steigende Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid. Sie führt zum einen dazu, dass es vielen Korallen einfach zu warm wird. Dann bleichen sie aus und sterben oft sogar ab. Auch löst sich das Kohlendioxid im Wasser, sodass die Meere saurer werden. Dadurch können die Korallen ihre Kalkskelette schlechter bilden.

Anpassung an Versauerung

"Die Erderwärmung und die damit verbundene Versauerung ist deshalb ein extrem großes Problem für die heutigen Riffe", resümiert Korallen-Experte Reinhold Leinfelder von der Freien Universität Berlin. Umso verblüffter waren Forscher um Kathryn Shamberger und Anne Cohen vom US-Forschungsinstitut Woods Hole Oceanographic Institution, als sie sich vor den Rock Islands des Pazifik-Staats Palau umsahen. Dort ist das Wasser von Natur aus sauer. Doch das scheint den Riffen nicht zu schaden - ganz im Gegenteil: "Wo das Wasser am sauersten ist, sehen wir eine vielfältigere und artenreichere Gemeinschaft als an weniger sauren Stellen", berichtet Cohen. Einen solchen Trend haben Forscher bisher bei keinem anderen Riff gefunden.

Was aber macht diese Korallen zu Überlebenskünstlern? Berechnungen zufolge könnte der langsame Wasseraustausch in den dortigen Buchten eine Rolle spielen. Er sorgt dafür, dass nur wenige Larven von anderen Riffen dorthin gelangen können. Entsprechend hoch ist der Druck für die lokalen Korallen, sich an die niedrigen pH-Werte anzupassen. Und das ist ihnen gut gelungen.