Washington/Wien. (dpa/gral) Dann und wann ein Selfie oder Geburtstagswünsche an den Kumpel nebenan - "Teenager Kicks: Happy 13th birthday, Opportunity! Another year older, another year wiser." Mit Aktionen wie diesen meldet sich der Marsrover Curiosity regelmäßig bei seinen insgesamt rund fünf Millionen Fans auf den Social-Media-Plattformen Facebook, Twitter und Instagram.

Als es zuletzt ein kleines Problem mit seinem Bohrer gab, beruhigte er rasch: "Der Bohrer wird untersucht, aber die Forschung hat nie aufgehört." Und weiter: "Mir geht es gut, macht euch keine Sorgen um mich. Ich fahre schon wieder."

Der fast 900 Kilogramm schwere Forschungsroboter von der Größe eines Kleinwagens twittert regelmäßig, witzig, schlagfertig und immer in Ich-Form. Dahinter steckt ein Social-Media-Team der Nasa im Jet Propulsion Labor im kalifornischen Pasadena. Die Nasa nutzt die bei der Bevölkerung beliebten Kanäle, um den Menschen die Weltraumforschung näherzubringen.

Die Raumfahrtbehörde soll nämlich, so ist es ihr seit der Gründung vorgeschrieben, nicht nur forschen, sondern den Menschen auch verständlich erklären, was sie da so macht, und sie so bilden. Ein beliebtes Twitter-Profil könne Menschen für die Raumfahrt begeistern und Steuerausgaben rechtfertigen, erklärt Josh Greenberg, Direktor der School of Journalism and Communication an der Carleton University in der kanadischen Hauptstadt Ottawa. Außerdem sei es gut für das zuvor recht angekratzte Image der Nasa.

Curiosity ist damit nicht nur wissenschaftlich eine Erfolgsgeschichte, sondern auch und vor allem unter Marketing-Gesichtspunkten. Mehr als 3,6 Millionen Menschen folgen dem Forschungsroboter, der im August 2012 auf dem Mars landete und dort nach Spuren von früherem Leben sucht, bei Twitter. Bei Instagram sind es mehr als 100.000, bei Facebook mehr als 1,3 Millionen Fans.

Der Rover wird als Paradebeispiel gefeiert, war aber nicht der erste in Ich-Form twitternde Forschungsroboter - und ist inzwischen ohnehin in Gesellschaft. Die Juno-Sonde der Nasa, derzeit unterwegs am Jupiter, hat bereits mehr als 500.000 Fans auf Twitter eingesammelt.

Auch die Europäische Raumfahrtagentur ESA mischte in diesem Social-Media-Reigen schon kräftig mit. Sowohl die Raumsonde Rosetta als auch ihr Landemodul Philae, die inzwischen beide auf dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko liegen, berichteten hunderttausenden Twitter-Fans in Ich-Form von ihren Abenteuern. Ende September meldete sich Rosetta noch einmal kurz vor ihrem Aufprall auf dem Kometen: "Weil ich nachher sehr beschäftigt sein werde, wollte ich die Chance nicht verpassen, mich noch einmal zu verabschieden und für all die Tweets zu bedanken. Danke, Erde, dass du mit mir dieses großartige Abenteuer geteilt hast."

Curiosity klettert zurzeit langsam, aber kontinuierlich den Berg Mount Sharp hinauf und untersucht ihn währenddessen mit seinen zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten. Auch sein Vorgänger Opportunity rollt in eine etwa 200 Meter lange Schlucht, die noch nie ein Mars-Rover von innen gesehen hat.