Der Tanz im Bananenröckchen machte Josephine Baker über Nacht zum Star. - © Walery/getty
Der Tanz im Bananenröckchen machte Josephine Baker über Nacht zum Star. - © Walery/getty

Newcastle. (est/dpa) Josephine Baker hatte den Hüftschwung heraußen. Mit ihrem sinnlich-humoristischen Tanzstil wurde die Künstlerin in den 1920er Jahren wie eine Venus verehrt. Heute schwingen Popstars wie Rihanna den Pelvis: Twerking mit Hüften und Po erzielt eine Optik zwischen afrikanischem Ritual, Training für Zirkusakrobaten und Kopulation. Warum gibt es gerade zu diesem Tanzstil so viele YouTube-Videos? Weil er als attraktiv empfunden wird, würden britische Forscher wohl bestätigen. Mit den Hüften ausladend schwingen, die Beine asymmetrisch bewegen und nicht zu sehr mit den Armen zappeln: Wenn Frauen so tanzen, finden Beobachter das besonders gelungen, berichtet das Team der Northumbria University in Newcastle im Fachblatt "Scientific Reports". Die Forschenden haben den weiblichen Tanzstil mit einer durchaus interessanten Methodik untersucht.

Alle menschlichen Kulturen tanzen. Kristofer McCarty und seine Kollegen vermuten, dass Tänzer Beobachtern unbewusst Informationen über den eigenen Gesundheitszustand übermitteln. Der Tanz habe zwar keine unmittelbare Überlebensfunktion, spiele aber bei der Partnerwahl eine Rolle.

Die Forschenden ließen 39 Frauen vor der Kamera zu einem einfachen Beat tanzen. Sie erfassten mit Hilfe von reflektierenden Marken die Bewegungen des Körpers und der Gelenke. Mit den Daten programmierten sie am Computer virtuelle Charaktere, Avatare genannt. 57 Männer und 143 Frauen sahen anschließend Ausschnitte von je fünf Avatar-Tanz-Performances und beurteilten sie auf einer Skala von 1 bis 7. Note 1 bekam eine extrem schlechte Tänzerin, Note 7 eine extrem gute. Durch die Avatare stellten die Forscher sicher, dass die Juroren tatsächlich nur die Tanzbewegungen und nicht die Attraktivität einzelner Frauen bewerteten.

Sowohl Männern als auch Frauen gefielen Tänzerinnen, die ausladende Hüftbewegungen machten. Rechter und linker Oberschenkel sollten sich unabhängig voneinander bewegen und die Arme deutlich geschwungen werden. Da Beobachter am Hüftschwung das Geschlecht erkennen, sei dieser besonders wichtig, so die Forscher. Asymmetrische Bewegungen der Gliedmaßen signalisiere eine gute Motorik-Kontrolle, solange keine "unkontrollierten pathologischen" Bewegungen dabei herauskämen. Bewegungsstörungen seien das Merkmal von Krankheiten.

Zu starke Bewegungen etwa seien ein Zeichen für Tourette-Syndrom - zu wenig Beweglichkeit könne auf Parkinson hindeuten. Die Tanz-Merkmale konnten unterschiedlich kombiniert sein. Tänzerinnen mit schwachem Hüftschwung und stark asymmetrischen Beinbewegungen erreichten die gleichen Noten wie solche mit ausgeprägtem Hüftschwung und geringen Beinbewegungen. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass bei Männern Nacken- und Rumpfbewegungen sowie schnelle Bewegungen des rechten Knies als attraktiv gelten. Nun wollen die Forscher den Signalwert dieser Bewegungsmuster und den Zusammenhang mit der Fortpflanzungsfähigkeit analysieren.