New York/Wien. Nach wie vor treibt die Grippe ihr Unwesen. Für das Immunsystem stellen die Jahr für Jahr in Erscheinung tretenden Influenzaviren eine Herausforderung dar. Immerhin gibt es 18 Subtypen. Wie gut das Immunsystem damit zurechtkommt, hat ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung untersucht. Im Fachblatt "Nature Immunology" zeigen die Virologen, wie unterschiedlich Menschen gegen die zahlreichen Varianten geschützt sind, und fanden Antikörper, die es mit allen Stämmen aufnehmen.

Unter den Subtypen des Influenza-Virus A sind für den Menschen nur wenige gefährlich. So etwa die Varianten H1 und H3 sowie früher auch der mittlerweile ausgestorbene Stamm H2. "Viele andere Subtypen zirkulieren aber in Vögeln. Manche sind hoch pathogen und führen bei Hühnern innerhalb von zwei Tagen zum Tod", so der aus Österreich stammende Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York.

Immunologische Landkarte

Immer wieder schwingt im Zusammenhang mit Vogelgrippe-Ausbrüchen die Angst mit, dass solche Erreger auch Menschen infizieren. Tatsächlich passiert das bei manchen Varianten von H5 und H7 vor allem in Ostasien bereits. Geht eine solche Infektion auf den Menschen über, liege die Sterberate bei rund 50 Prozent. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch hat es noch nie gegeben.

Da dies für die Zukunft aber nicht ausgeschlossen werden kann, befasste sich das Forscherteam mit der Frage, wie immun Menschen gegenüber verschiedene Virus-Typen sind. Das sei vor allem deshalb interessant, da seit dem Jahr 2009 Antikörper bekannt sind, die zugleich mehrere Subtypen neutralisieren können.

Solchen "Allzweck"-Antikörpern spürten die Forscher nun bei Patienten nach, die schon einmal mit H1- oder H3-Erregern infiziert waren und deren Abwehrsystem dadurch einen "Boost" erfahren hat, wie es Krammer ausdrückt. Ihnen gegenüber stellten sie Menschen, die keine Influenzainfektionen hatten, um die Grundausrüstung mit einschlägigen Antikörpern in der gesamten Bevölkerung abzuschätzen.

Aus den Daten erstellten sie eine immunologische Landkarte. Je nachdem, ob eine frühere H1- oder H3-Infektion stattgefunden hat, präsentierten sich diese sehr unterschiedlich. Es zeigte sich, dass eine H1-Infektion auch durchwegs das Rüstzeug gegen andere Varianten - etwa H5, die Vogelgrippe - verbesserte, so die Forscher.

Hoffnung auf Impfstoffe

Beim Blick auf die Antikörperverteilung in verschiedenen Altersgruppen zeigte sich, dass vor allem jene Influenza-Stämme, mit denen die Personen als Kind konfrontiert waren, die spätere Immunität entscheidend beeinflussen. Bei Menschen, die in ihrer Kindheit noch mit H2 infiziert wurden, fanden die Forscher noch immer viele Antikörper dagegen. In Folge waren sie mit H1 konfrontiert. "Das hat dazu geführt, dass sie eine recht breite Antikörper-Antwort auf viele Stämme haben", so Krammer. Im Falle einer hypothetischen Vogelgrippe-Pandemie wären diese Leute womöglich auch besser geschützt als etwa 18- bis 20-Jährige, die mit H2 nie in Kontakt gekommen sind. Weil Abwehrsysteme so unterschiedlich aufgestellt sind, sei davon auszugehen, dass auch Impfstoffe sehr unterschiedlich wirken.

Über alle Altersgruppen hinweg war die Immunität aber gegenüber manchen Subtypen - etwa H7 und H15 - relativ gering. Gerade das Vogelgrippevirus H7 sei in China mittlerweile ein großes Problem, da damit auch Menschen infiziert werden. Kommt es vermehrt zu Doppelinfektion mit den herkömmlichen Erregern H1 oder H3, sei es denkbar, dass die Stämme genetische Information austauschen und vielleicht Übertragungen von Mensch zu Mensch möglich werden.

Doch die Tatsache, dass Menschen über breit wirkende Antikörper verfügen, lässt nun viele Forschungsgruppen über die Entwicklung neuer, universell wirkender Impfstoffe nachdenken.