Ontario/Wien. (gral) Egal, ob wir zur Arbeit fahren oder uns im Supermarkt in der Obstabteilung zu schaffen machen. Permanent trifft unser Gehirn Entscheidungen über unsere Bewegung. Soll ich gleich die Straße überqueren oder erst bei der Kreuzung? Soll ich den roten oder den grünen Apfel nehmen? Immer dann, wenn wir mit zwei Optionen konfrontiert sind, bereiten sich die Neuronen im Gehirn stets auf beide Möglichkeiten vor, bevor wir uns für eine Aktion entscheiden. Und damit ist unser Denkorgan stets für den Plan B bereit. Dies berichten kanadische Wissenschafter im "Cell Report".

"Und gerade weil wir immer diese zwei Pläne im Kopf haben, ist es uns möglich, wenn es sein muss auch mit hoher Geschwindigkeit eine Aktion durchzuführen", erklärt der Neurowissenschafter Jason Gallivan von der Queen’s University in Ontario. Lange haben Forscher darüber gerätselt, was zuerst kommt - die Entscheidung, welches Ziel wir ansteuern, oder der Plan über die nötige Bewegung. Im Alltag passieren motorische Entscheidungen auch so schnell, dass es fast unmöglich ist, diese zwei Prozesse zu entflechten.

Vorteile noch nicht klar

Die Erkenntnisse werden von der Idee begleitet, dass das Gehirn die Welt als eine Serie wahrnimmt, in der der Mensch mit vielen möglichen Aktionen und Objekten interagieren kann. Wenn man dann praktisch im Hinterkopf mögliche Back-up-Pläne gespeichert hat, scheint das handfeste Vorteile zu bringen, so die Forscher. Ganz klar ist ihnen jedoch noch nicht, um welche Vorteile es sich dabei handelt. Das Wissenschafterteam plant nun weitere Studien mittels funktioneller Magnetresonanztomographie, um zu sehen, wie diese motorischen Kodierungen hin zur tatsächlichen Aktion sich im Gehirn abbilden - was also passiert, wenn wir uns für den grünen Apfel entscheiden.