Boston. (dpa) "Die Verteidigung der Wissenschaft und wissenschaftlichen Integrität in Zeiten von Donald Trump" ist eine von vielen Diskussionsrunden auf der weltgrößten Wissenschaftskonferenz AAAS (American Association for the Advancement of Science) in Boston. Sie drehen sich um den umstrittenen neuen US-Präsidenten, die viel debattierten "Fake News" oder das Selbstverständnis der Forscher in diesen unruhigen Zeiten - und alle sind sie völlig überfüllt.

Normalerweise ist das AAAS-Jahrestreffen eine relativ unpolitische Angelegenheit. Wissenschafter präsentieren und diskutieren ihre Ergebnisse. Aber heuer hängt der Schatten Trumps auch über der Kongresshalle im Zentrum von Boston. 9000 neue Mitglieder hat die AAAS seit Jänner dazubekommen - deutlich mehr als üblich in diesem Zeitraum.

Trump hat den Klimawandel einst als erfundene "Ente" bezeichnet und ist dafür bekannt, dass er Wissenschaft bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls auch offen ablehnt. Auch ein von ihm vorangetriebenes Einwanderungsverbot für Menschen bestimmter Länder würde die international aufgestellte Forschergemeinde hart treffen. Viele Wissenschafter sind wütend - und haben gleichzeitig Sorge, dass ihre Forschungsfreiheit und Finanzierung künftig stark eingeschränkt sein könnte.

"Steh auf für die Wissenschaft"

5000 Anstecker mit der Aufschrift "Frag nach Beweisen" hat die AAAS unter den 10.000 Teilnehmern aus fast 60 Ländern verteilen lassen. Viele tragen zudem Buttons mit Aufschriften wie "Steh auf für die Wissenschaft!". Für den geplanten "Marsch für die Wissenschaft" im April in Washington wird immer wieder geworben.

"Die ersten Anzeichen machen mir Sorgen, dass wir einen großen Wandel in der Kultur um Wissenschaft und Technologie und deren Bedeutung für die Regierung vor uns haben", betont John Holdren, früher wissenschaftlicher Berater von Trump-Vorgänger Barack Obama. "Wir scheinen jetzt einen Präsidenten zu haben, der sich gegen Fakten sträubt, die ihm nicht gefallen." Holdren empfiehlt: Nicht einschüchtern lassen, mit der Forschung weitermachen wie vorher, sich insgesamt besser über die Themen informieren. Und: zehn Prozent seiner Zeit dem Dienst an der Öffentlichkeit und dem Aktivismus widmen und gemeinsam mit anderen darüber nachdenken, wie die Integrität der Wissenschaft in dieser neuen Ära erhalten bleiben kann.

Aber nicht jeder Forscher traue sich, in der Öffentlichkeit als "Wächter" zu fungieren, sagt die Harvard-Umweltforscherin Naomi Oreskes. Allerdings: "Wir müssen Wächter sein und wir müssen über die Fakten, die wir herausgefunden haben, sprechen, denn sie erklären sich - anders als viele denken - nicht von selbst."