Wien. Schon der erste Atemzug dürfte das Immunsystem von Neugeborenen zum Erwachen bringen. Wiener Forscher konnten ein komplexes Programm aufklären, das bei Säugetieren mit der Geburt startet. Im Mutterleib sind die Lungen mit Flüssigkeit gefüllt und völlig keimfrei. Mit dem ersten Atemzug entfalten sie sich schlagartig und beginnen mit der Atmung und Sauerstoffaufnahme. Über die Atemluft strömen aber auch Mikroorganismen und Schadstoffe ein. Spezielle Abwehrsysteme müssen die Lunge vor Schaden bewahren und gleichzeitig den Sauerstofftransport aufrecht erhalten.

Die Forschungsgruppe von Sylvia Knapp, Direktorin für Medizinische Angelegenheiten am Cemm (Forschungszentrum für Molekulare Medizin) und Infektionsbiologin an der Medizinuniversität Wien, fand heraus, dass das Aufblähen der Lunge beim ersten Atemzug zur Ausschüttung des Zytokins Interleukin-33 (IL-33) führt. Dieser Immunbotenstoff hat einen weitreichenden Effekt: Spezielle weiße Blutkörperchen, sogenannte lymphoide Typ-2-Zellen (ICL2), werden aktiviert und wandern in die Lunge ein. Dort schütten sie wiederum IL-13 aus, das schließlich die wichtigsten Immunzellen in den Atemwegen, die Alveolarmakrophagen, für ihre spezielle Aufgabe in der Lunge vorbereitet.

Schutz, aber auch Risiko

"ICL2-Zellen spielen eine wichtige Rolle in der Abwehr von Parasiten oder Influenza, ihre Bedeutung für die Homöostase war bisher nicht bekannt, so Erstautorin Simona Saluzzo. Der Mechanismus schützt vor überschießenden Entzündungen - birgt aber auch Risiken. So konnten die Forscher zeigen, dass diese Zellen die Anfälligkeit für Infektionen etwa mit Pneumokokken erhöhen. "Was also gut für die Funktion und den Gasaustausch in der Lunge ist, erklärt gleichzeitig, warum durch Bakterien verursachte Lungenentzündung die häufigste Todesursache durch eine Infektion in der westlichen Welt ist."