Corvallis/Wien. (gral) Einer kleinen Gruppe an Genen, die in den Biorhythmus von Lebewesen involviert ist, scheint in der Stressbewältigung eine besondere Bedeutung zuzukommen, wie Wissenschafter der Oregon State University nun herausgefunden haben. Diese Gene werden allerdings entweder erst im späteren Leben aktiv, oder dann, wenn der Organismus intensivem Stress ausgesetzt ist - und sichern damit die Aufrechterhaltung wichtiger Lebensfunktionen. Sie sind damit Teil eines einzigartigen Mechanismus, der bis dato nicht bekannt war. Entdeckt hat ein Team um Rachael Kuintzle diese Erbgut-Maschinerie in seinen Forschungen an Fruchtfliegen. Genetiker nutzen Drosophila melanogaster als Modellorganismus.

Diese speziellen Gene könnten im Kampf gegen Stress helfen, der durch die Alterung, Krankheit oder veränderte Umweltbedingungen auf den Körper einwirkt, schreiben die Forscher im Fachblatt "Nature Communications". Sie könnten auch eine Erklärung dafür liefern, warum das Altern bei einer Störung der inneren Uhr häufig schneller voranschreitet.

Die Forscher nennen sie die "Late-life Cyclers" (LLCs). 25 solcher Bausteine entwickeln mit dem Alter eine gewisse Rhythmik, die Funktion einiger davon bleibt allerdings dennoch unverstanden. "Diese Klasse der LLC-Gene scheint im Altern dann aktiv zu werden, wenn Zellschäden, oxidativer Stress oder so mancher Krankheitszustand auftreten", betont Jadwiga Giebultowicz vom OSU College of Science.

Das Altern steht im Zusammenhang mit neuronaler Degeneration, dem Verlust des Gedächtnisses und anderen unangenehmen Folgeerscheinungen, welche sich dann verschärfen, wenn der Biorhythmus gestört ist. "Die LLC-Gene sind Teil einer natürlichen Antwort und können dabei helfen, das Nervensystem zu schützen", heißt es in der Studie. Noch dazu nimmt ihre Aktivität mit dem Alter weiter zu.

Die Studie zeigt allerdings auch, dass infolge von intensivem Stress zu jedem Zeitpunkt eines Lebens die LLC-Gene in Aktion treten können. Manche davon seien auch dafür bekannt, dass sie bei Krebspatienten eine höhere Aktivität zeigen. "Sie scheinen ein zweischneidiges Schwert zu sein", betont Forschungsassistentin Eileen Chow, "sie sind nötig während stressiger Zeiten, aber möglicherweise auch schädlich, wenn sie ständig angeschaltet sind".