Wien. (est) Die Neandertaler sind vor 40.000 Jahren ausgestorben, dennoch trägt jeder moderne Mensch ihr Erbgut in sich. US-Wissenschafter erforschen nun, wie sich die Gene unserer einstigen Verwandten in uns bemerkbar machen. "Selbst 50.000 Jahre nach der letzten Paarung der beiden Menschenarten sind die Auswirkungen messbar", erklärt Joshua Akey von der Universität Washington im Fachmagazin "Cell".

Zuvor hatten Genetiker herausgefunden, dass Neandertaler-Reste die Neigung zu Infarkten und Fettlebigkeit erhöhen könnten. Akey und seine Kollegen berichten nun, dass sie auch die Körpergröße und der Neigung zu Schizophrenie beeinflussen. Sie untersuchten die dahinterstehenden Mechanismen anhand der RNA-Sequenzen (Erbgutbausteine) von Probanden, die ihre Daten im Rahmen eines US-Genforschungsprojekts zur Verfügung gestellt hatten. Alle Testpersonen tragen sowohl Neandertaler- als auch moderne Versionen der untersuchten Gene in sich. Danach verglichen die Forscher die Allele.

Schiozophrenie-Risiko

Allele sind Zustandsformen von Genen, die durch Mutation ineinander übergeführt werden können: Verschiedene Allele sind vergleichbar mit verschiedenen genetischen Schalterstellungen. "In 25 Prozent der Fälle unterschied sich die Schalterstellung zwischen den Allelen von Neandertaler und Homo sapiens", so Erstautor Rajiv McCoy. In Gehirn und Hoden kamen Neandertaler-Allele kaum zum Ausdruck, woraus die Forscher schließen, dass diese Körperteile schnell evolvierten seit der Homo sapiens erstmals auftauchte: "In diesen Regionen liegt der größte Unterschied", so Akey. Die Forscher entdeckten auch ein Neandertaler-Allel, das das Risiko für Schizophrenie senkt. Auch die Körpergröße wird beeinflusst, wie genau muss jedoch erst erforscht werden. "Wir konnten zeigen, wie stark diese kleinen Überreste uns heute beeinflussen", so Akey.