Berlin. Die Luft steht feucht und schwer zwischen den mächtigen Baumstämmen, Gummistiefel quatschen durch den Morast des Pfades, der ein Stück weit in den sonst undurchdringlichen Amazonas-Wald führt. Schon nach ein paar Schritten wird jedem Besucher klar, wie schwierig es sein muss, in dem Dickicht zu leben. Bis auf ein paar Stämme, von denen einige noch heute jeden Kontakt mit dem Rest der Welt vermeiden, lebten in den letzten Jahrtausenden daher kaum Menschen im Amazonasgebiet. Zumindest glaubten Archäologen das lange.

Erst in jüngster Zeit fanden Forscher an wenigen Stellen Spuren früherer Siedlungen, die eine dichtere Besiedlung des Amazonasgebietes in der Zeit vor Christoph Kolumbus vermuten lassen. Diese Menschen aber scheinen bleibende Spuren in der Pflanzenwelt hinterlassen zu haben: Die von den Ureinwohnern genutzten Urwaldbäume prägen noch heute viele Regionen im Amazonasgebiet, berichtet ein Team um Carol Levis von der Uni Wageningen und Hans ter Steege vom Naturalis Naturgeschichtlichen Museum in den Niederlanden im Fachblatt "Science".

Nutzpflanzen dominieren

Das Amazonasgebiet scheint also deutlich weniger als bisher vermutet Urwald zu sein. Der Einfluss des Menschen sticht vielleicht nicht ins Auge, aber seit langem genutzte Bäume wie die Pfirsich-Palme und manchmal auch der Kakao-Baum dominieren vielerorts den Wald stärker als erwartet. Und das in einer Region mit einer extremen Pflanzenvielfalt, in der mehr als 16.000 Gehölzarten wachsen. In deutschen Forsten sind es ganze 51 Baumarten.

Diese Vielfalt studieren Forscher aus aller Welt in einem riesigen Netzwerk von 1170 Untersuchungsflächen, die sich über das gesamte Amazonasgebiet verteilen. Vor mehr als 8000 Jahren begannen Menschen, zunächst in den Randbereichen der Region, Pflanzen für ihre Zwecke zu nutzen. Mindestens 85 Gehölze lieferten nicht nur Nahrung, sondern auch eine Reihe verschiedener Materialien, berichten die Forscher.

20 dieser Nutzpflanzen aber prägen die Untersuchungsflächen fünfmal häufiger als die anderen fast 5000 gefundenen Arten, die von den Ureinwohnern nicht genutzt wurden. Je näher die untersuchten Flächen bei einer bekannten Fundstätte einer frühen Siedlung oder bei einem der Flüsse liegen, die dort häufig die einzigen und mit Abstand wichtigsten Verkehrswege sind, umso mehr Nutzpflanzen finden die Forscher dort. Bei den nicht von Menschen genutzten Pflanzen zeigen sich dagegen keinerlei Zusammenhänge mit den Relikten einstiger Orte.