Wien. Zwar gilt sie nach wie vor als eine der häufigsten und auch gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt, Gefahr bestehe in Österreich und vielen anderen europäischen Ländern trotzdem keine, gaben am Dienstag heimische Experten im Vorfeld des am 24. März stattfindenden Welt-Tuberkulosetages vor Journalisten Entwarnung in Bezug auf die auch Schwindsucht genannte bakterielle Erkrankung. Sorge bereitet ihnen allerdings die Zunahme der Zahl an multiresistenten Infektionen, wie sie auch bei vielen anderen bakteriellen Erkrankungen seit einigen Jahren vermehrt zu beobachten ist.

Die Schwindsucht gilt als Krankheit der Armen und der Flüchtlinge - diese sind auch nach wie vor am ehesten betroffen. Als Risikogruppen nannten die Spezialisten demnach auch Asylsuchende und Obdachlose, aber auch Prostituierte.

Die Zahl der neu diagnostizierten Erkrankungen in Österreich hat im Jahr 2015 exakt 583 betragen. 2016 waren es hingegen laut vorläufigen Daten 644. Ob sich diese Zunahme mit dem Flüchtlingszustrom erklären lässt, ist allerdings nicht ganz klar. Verbesserte Diagnoseverfahren und genauere Screenings könnten ebenso zu diesem Anstieg beigetragen haben, stellte Martina Brix, Expertin im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, fest.

Weltweit ein Drittel infiziert

Denn in Österreich muss bei der medizinischen Erstuntersuchung von Asylwerbern auch ein Lungenröntgen durchgeführt werden. Zudem seien hierzulande regelmäßig Röntgenbusse im Einsatz, um auch die Gefahr für Obdachlose einzudämmen beziehungsweise eine mögliche Erkrankung früh erkennen zu können. Die frühzeitige Diagnose und die darauffolgende effektive Behandlung und Verlaufskontrolle sind die wichtigsten Punkte, um die Erkrankung in Schach halten zu können, betonte Rudolf Rumetshofer von der 2. Internen Lungenabteilung am Otto Wagner Spital in Wien. Dazu sind auch Kriterien im seit Juli 2016 neu geltenden Tuberkulosegesetz festgelegt, das unter anderem die Meldepflicht, die Belehrungspflicht aber auch die Dokumentationspflicht seither massiv verschärft hat.

Der Krankheitserreger Myobacterium tuberculosis, der beim Menschen am häufigsten die Lunge befällt, wurde erstmals im Jahr 1882 durch den deutschen Mediziner und Mikrobiologen Robert Koch beschrieben. Nur etwa fünf bis zehn Prozent der Infizierten erkranken tatsächlich im Laufe ihres Lebens. Weltweit ist ein Drittel der Menschen mit Tuberkulose-Erregern infiziert.