Paris/Wien. (afp/est) Künftig könnten Schäferhunde vielleicht in Röntgenlabors zu finden sein. Die Vierbeiner können nämlich Brustkrebs mit nahezu absoluter Sicherheit erschnüffeln. Das legt zumindest das Ergebnis einer Studie des Pariser Curie-Instituts nahe.

Krankhaft veränderte Zellen setzen feine Duftstoffe frei, die die menschliche Nase nicht wahrnimmt, der Geruchssinn der Hunde jedoch schon. Ihre Nase kann sogar einzelne Duftmoleküle nicht nur im Atem oder auf der Haut, sondern auch in der Kleidung erschnüffeln.

Für ihre Studie haben die Forscher um Amaury Martin zwei Deutsche Schäferhunde namens Thor und Nykios sechs Monate lang darauf trainiert, den spezifischen Geruch von Krebspatientinnen aus Verbandsmaterial, das diese zuvor mit direktem Brustkontakt getragen hatten, zu erschnüffeln. Ausschlaggebend für das Experiment waren laut den Wissenschaftern zahlreiche empirische Berichte, wonach Hunde die Krebserkrankungen ihrer Besitzerinnen wahrgenommen hatten.

Sie sammelten das Verbandsmaterial von 31 Krebspatientinnen. Mit Hilfe des französischen Schäferhund-Experten Jacky Experton erlernten Thor und Nykios, die Geruchsunterschiede zwischen diesem Material und anderen Bandagen, die gesunde Frauen getragen hatten,zu verinnerlichen.

Nach dem ersten Durchgang sammelten die Forscher Verbandsmaterial von weiteren 31 krebserkrankten Frauen, die nicht mit den ersten Patientinnen identisch waren. Zusätzlich wurden drei Mal so viele Verbandsmaterialien mit dem Geruch von nicht krebserkrankten Frauen in den Versuch mit einbezogen. Schon in einem ersten Geruchstest schafften die Hunde 28 richtige Treffer. Als ihnen ein zweiter Versuch eingeräumt wurde, lag die Trefferquote bei 100 Prozent. Zum Vergleich: Laut Österreichs öffentlichem Gesundheitsportal gesundheit.gv.at werden mithilfe der für das Brustkrebs-Screening empfohlenen Mammografie 85 bis 90 Prozent der Brustkrebsfälle entdeckt.

Moderne Technologie sei in vielen Fällen sehr effizient, sagte Amaury Martin vom Curie-Institut bei der Präsentation der Ergebnisse in Paris am Wochenende: "Aber bisweilen können auch einfachere, offensichtlichere Dinge helfen." Die Methode sei einfach, kostengünstig und erfordere keinen medizinischen Eingriff. Sie könnte die Diagnose von Brustkrebs-Erkrankungen revolutionieren, vor allem in Gegenden oder Ländern, in denen die in Europa übliche Mammografie nicht zur Verfügung steht. Mit dem Versuch habe überprüft werden sollen, ob die "konventionelle Weisheit" in "reale Wissenschaft" überführt werden könne. In einem neuen, klinischen Durchgang sollten nun mehr Patientinnen und zwei weitere Hunde hinzugezogen werden.

Schon vor 3000 Jahren soll laut einschlägigen Websites die chinesische Medizin davon überzeugt gewesen sein, dass Hunde krankhafte Vorgänge im Körper von Menschen anhand von Geruchsveränderungen wahrnehmen können. In der westlichen Welt erschien erstmals 1989 im renommierten Fachjournal "The Lancet" die Geschichte eines Hundes, der seine Nase nicht vom Hautkrebs seiner Besitzerin lassen konnte.

Besonderheit der Hundenase

Weiters konnten kalifornische Forscher Labradore dazu trainieren, Lungen- und Brustkrebs zu entdecken, indem sie ihre Patienten in Strohhalme hauchen ließen. Auch bei Diabetes zeigen ausgebildete Hunde diagnostisches Talent. Sie riechen eine Unterzuckerung in speziellen Sub-stanzen im Atem und warnen ihren Besitzer rechtzeitig.

US-Forscher arbeiten an Geruchs-Maschinen, die die Besonderheiten der Hundenase nachahmen. Dazu modellierte Ende des Vorjahres ein Team des National Institute of Standards and Technology im Computer die Schnauze eines Labrador-Retriever-Mischlings und druckten sie mit einem 3-D-Drucker aus. Sie installierten ein kleines Ventilationssystem, das das Ein- und Ausatmen der Hundenase imitiert und machten die Luftbewegungen sichtbar. Dabei stellte sich heraus, dass die Hundenase beim Ausatmen Gerüche sammelt: Die ausgeatmete Luft strömt seitlich und in Richtung des Hundebauchs davon. Dadurch entsteht vor der Hundenase ein Unterdruck, der die Luft vor der Schnauze ansaugt. Somit kann der Hund sehr gut Geruchsspuren verfolgen.

Ob eine Geruchsmaschine bei der Diagnose ebenso beliebt sein könnte wie der Hund, bleibt jedoch fraglich.