Pennsylvania. (gral) Verheerende sommerliche Wetterextreme nehmen Jahr für Jahr auf allen Kontinenten zu. "Die beispiellose Dürre in Kalifornien 2016, die Überschwemmung in Pakistan 2010 und die Hitzewelle in Europa 2003 zählen alle zu einer äußerst beunruhigenden Serie von Extremen. Solche Ereignisse treten öfter auf, als durch die direkte Wirkung der globalen Erwärmung zu erwarten wäre", erklärt Michael Mann von der Pennsylvania State University in den USA im Fachblatt "Scientific Report". Die Forscher bringen diese Entwicklung mit veränderten Luftströmen in Verbindung, die darauf starken Einfluss hätten.

Stockende Jetstreams

Gigantische Luftströme umkreisen die Erde, wellenförmig schwingen sie zwischen der Arktis und den Tropen auf und ab. Diese planetaren Wellen transportieren Hitze und Feuchtigkeit. Geraten sie ins Stocken, können allerdings Dürren und Fluten entstehen. Die globale Erwärmung, die durch die Treibhausgase aus fossilen Brennstoffen verursacht wird, schafft besonders gute Voraussetzungen für solche Ereignisse, fanden die Forscher heraus.

Eine Temperaturverteilung, die das Stocken dieser Luftströme begünstige, sei in insgesamt 70 Prozent der ausgewerteten Klimasimulationen beobachtet worden, stellt Ko-Autor Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung fest. Generell werden Luftströme von Temperaturunterschieden angetrieben. Herrscht in einer Region für Wochen das gleiche Wetter vor, dann kann sich aus sonnigen Tagen eine extreme Hitze und Dürre entwickeln. Anhaltende Regenfälle können wiederum zu reißenden Fluten führen.

Die Windungen der Luftströmungen auf der Nordhalbkugel werden unter bestimmten Bedingungen in Nord-Süd-Ausdehnung ungewöhnlich groß, während ihre Vorwärtsbewegung von Westen nach Osten ins Stocken gerät. Dadurch entstehen solche Bedingungen für eine wochenlange Wetterbeständigkeit.

Junges Phänomen

Interessanterweise ist der größte Teil dieser Veränderungen erst in den letzten vier Jahrzehnten aufgetreten, stellten die Forscher fest. "Dass der Jetstream sich öfter über lange Zeit stark windet, ist ein recht neues Phänomen - das macht es noch bedeutsamer", betont Dim Coumou von der Vrije Universität Amsterdam.

Durch den Abgleich mit historischen Temperaturmessungen seit 1870 und aktuelleren Satellitendaten rekonstruierten die Wissenschafter, dass genau diese Konstellationen seit Beginn des Industriezeitalters und speziell in den vergangenen Jahrzehnten viel häufiger auftreten. Sie nehmen daher an, dass es Zusammenhänge mit dem von Menschen verursachten Klimawandel gibt.