Laxenburg/Wien. Freiland oder Batterie, Bio oder Industrie, tierisch oder vegan, lokal oder global - damit könnte es für Konsumenten bald nicht mehr getan sein. Auch ein Wasser-Zertifikat könnte sich zu der Liste der Dinge gesellen, die Konsumenten beim Einkauf beachten sollten. Denn die Art der Bewässerung sollte laut Umweltexperten nachhaltig sein. Reis, Weizen, Baumwolle, Mais oder Sojabohnen werden allerdings vielerorts mit Wasser aus nicht erneuerbaren Grundwasserquellen bewässert und diese Ressourcen drohen zur Neige zu gehen. Das berichten Forschende des das Instituts für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg und der Universität London im Fachmagazin "Nature".

Laut den Wissenschaftern um Carole Dalin und Yoshihide Wada floss allein im Jahr 2010 um ein Viertel mehr Grundwasser in landwirtschaftliche Bewässerungsanlagen als noch vor zehn Jahre davor. In China ist die Menge um das Doppelte gestiegen.

Grundwasser ist Wasser unterhalb der Erdoberfläche, das durch das Versickern von Niederschlägen oder die Migration aus Seen und Flüssen in die Tiefen gelangt. Manche Grundwasserquellen gelten als nicht-erneuerbar, da sie sich langsamer auffüllen, als sie verbraucht werden. "Damit Grundnahrungsmittel wie Reis oder Brot nicht die globalen Wasserreserven angreifen, ist es entscheidend, wie und wo das Getreide dafür wächst", betont Erstautorin Carole Dalin vom Institut für Nachhaltigkeit der Universität London in einer Aussendung zur Studie: "Wenn die Hersteller und die Konsumenten hierbei nicht nachhaltiger vorgehen, wird der Großteil der Erdbevölkerung höhere Lebensmittelpreise und unterbrochene Lieferketten zu spüren bekommen. Nicht nachhaltige Grundwasserreserven sollten allenfalls im Zuge von klimawandelbedingten Dürreperioden angegriffen werden."

Derzeit speist sich die landwirtschaftliche Bewässerung zu 43 Prozent aus Grundwasserquellen. Auf der Basis von Daten der Vereinten Nationen zur Verwendung von nicht-erneuerbaren Wasserreserven haben die Forscher berechnet, dass 29 Prozent davon für Reis, zwölf Prozent für Weizen, elf Prozent für Baumwolle, vier für Mais und drei für Sojabohnen verloren gehen. Größter Exporteur dieserart bewässerter Getreidesorten ist Pakistan (29 Prozent), gefolgt von den Vereinten Staaten (27) und Indien (12).

Thomas Kastner von der Alpe-Adria-Universität empfiehlt in diesem Zusammenhang ein globales Wassermanagement, "ansonsten könnten sich ernsthafte Nahrungsmittel-Engpässe ergeben." Auch Lebensmittel-Verpackungen sollten über nachhaltiges Bewässerung informieren, betont Wada, und so etwas wie Wasser-Zertifikate erhalten.