New York/Wien. Für Lebewesen, die bereits mit einem Erreger aus der Gruppe der Flaviviren infiziert waren, könnte das Zika-Virus gefährlicher sein als angenommen. Zumindest bei Mäusen sei dies der Fall, berichtet ein Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung in "Science". Offen sei, ob dies auch für Menschen gelte.

Das ab 2015 in Süd- und Mittelamerika grassierende Zika-Virus kann schwere Komplikationen bei einer Erkrankung während der Schwangerschaft auslösen. Das bisher auffälligste Symptom ist das zu geringe Schädelwachstum (Mikrozephalie) bei Föten. Ansonsten "ist das Virus nicht besonders pathogen. Die meisten Infizierten haben kaum Symptome", sagt der aus Österreich stammende Virologe Florian Krammer von der Icahn School of Medicine in New York.

Vor allem in Brasilien sind viele Leute jedoch auch mit dem Dengue-Erreger infiziert, der wie Zika zu den Flaviviren zählt. "Sie haben eine Immunantwort dagegen entwickelt. Eine Hypothese ist, dass Zika-Infektionen verstärkt werden, weil sie diese Antikörper tragen", erklärt Krammer. Beim Dengue-Virus ist der Verstärkungseffekt bekannt: Wird man zuerst mit Serotyp 1 infiziert, ist das vielleicht nicht schlimm. "Folgt danach aber Typ 2, 3 oder 4, kommt es manchmal zum hämorrhagischen Dengue-Fieber, an dem man sterben kann", sagt Krammer. Bei Zika sei Ähnliches denkbar. Sollte sich die Erkenntnis aus dem Tierversuch erhärten, sei das auch für Regionen in Europa interessant, wo Zeckenimpfungen durchgeführt werden: "Der Zeckenimpfstoff ist auch ein Flavivirus." Ob er Zika verstärken kann, wird analysiert.