Wien. Die Nachfrage nach der mysteriösen Kraft der kleinen weißen Kügelchen ist ungebrochen. Kontrovers diskutierte Studien spiegeln den Effekt, der aus vielen Arztpraxen und von Anwendern berichtet wird, jedoch nicht in der Form wider, wie es sich die homöopathisch tätigen Mediziner wünschen würden. Die vielen Einzelbeobachtungen finden sich nämlich schwarz auf weiß nicht in jenem Ausmaß wieder, um im rein wissenschaftlichen Sinn von einem signifikanten Durchbruch sprechen zu können. Ob dies daran liegt, dass die Studiendesigns der Homöopathie nicht gerecht werden oder die Ergebnisse so lange seziert werden, bis sie zur Unkenntlichkeit verfallen, ist nicht ganz klar.

Dennoch sind es genau die Einzelbeobachtungen sowohl im klinischen Alltag, in den Ordinationen oder in der Heimanwendung, die Studien für den Normalbürger praktisch obsolet machen. Ob grippaler Infekt, Reisekrankheit, orthopädische Belange oder als Begleitung zur Krebstherapie - das Spektrum des schnellen Einsatzes ist sehr breit gestreut. Viele Anwendungen erfolgen begleitend zur konventionellen Medizin, also komplementär, einige allerdings auch als Alternative dazu.

Wirkmechanismus unklar

So berichtete die Allgemeinmedizinerin und Homöopathin Ilse Fleck-Václavik am Montag vom erfolgreichen Einsatz bei Reisefieber, Kreislaufproblemen oder Sonnenstich. Der Orthopäde Karl-Heinz Kristen wiederum setzt unter anderem bei Sportverletzungen auf Globuli. Einen Gips könnten sie selbstverständlich nicht ersetzen, aber ein Anschwellen der betroffenen Körperstelle verhindern, Schmerzen reduzieren und den Heilungsprozess beschleunigen, so der erfahrene Mediziner.

Wie Homöopathika genau auf den Organismus wirken, steht nach wie vor in den Sternen. Kosmisches Staunen ist nicht selten die Folge - parallel dazu aber auch große Aufregung. Kritiker sprechen von Humbug, werfen sowohl den Ärzten als auch den Homöopathika produzierenden Pharmafirmen gar gewerbsmäßigen Betrug vor und vergleichen den Einsatz der Zuckerkügelchen mit Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider".

Die Homöopathen wiederum legen Zahlen vor. 15 Prozent an Einsparungen seien durch den Einsatz von Globuli und Co. möglich. Zudem liegen 85 Prozent der verwendeten Arzneien im Potenzierungsbereich von D4 bis D12. Der beinhaltete Wirkstoff lässt sich bis zu den Potenzierungen D23 beziehungsweise C12 nachweisen und liege damit weit entfernt vom Molekül im Weltall. Mehr verrät auch das neue Buch von Erfried Pichler, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Homöopathische Medizin, in dem die "Medizin der feinen Unterschiede" (Verlagshaus der Ärzte) aufgezeigt wird.