Mehr als 300 Patentanträge auf biologische Züchtungsverfahren warten auf Prüfung. "Darin werden Weizen, Mehl und Brot, Tomaten, Salate und Gurken als Erfindungen der Industrie beansprucht", betont Ruth Tippe, die die Recherche für "Keine Patente auf Saatgut!" gemacht hat: "Diese Firmen vergeuden nicht einfach Zeit und Geld. Sie erwarten, dass die Patente auch erteilt werden."

Unter dem Titel "Hopfen und Malz verloren" warnt das Umweltinstitut München vor einem Verlust der landwirtschaftlichen Vielfalt. "Patente auf Lebewesen bedrohen die Existenzgrundlage von Bauern und Bäuerinnen und gefährden die Artenvielfalt", heißt es auf der Homepage. Die Kosten für Verbraucher steigen, die Wahlfreiheit würde eingeschränkt. Der Agrarindustrie würden Patente Gewinne in Milliardenhöhe einbringen: "Im Jahr 2014 stammten mehr als 52 Prozent der weltweiten Bier-Produktion von den fünf größten Brauereikonzernen, zu denen auch Carlsberg zählt."

Auch alte Sorten könnten betroffen sein

Konzentrationsprozesse auf den Lebensmittel-Märkten führen dazu, dass kleine Mitbewerber immer schwerer überleben. Da es nirgends geschrieben steht, können mittelständische Züchter nicht wissen, ob eine Pflanze, mit der sie arbeiten, patentiert ist. Ihre Arbeit verkompliziert sich ähnlich wie das Leben eines Walnuss-Allergikers, der ohne Packungsbeilage erkennen können muss, ob sich in einem Produkt eine Nuss versteckt. "Jederzeit kann jemand kommen und sagen: Womit du arbeitest, gehört uns", sagt Beate Koller: "Das führt dazu, dass kleine Züchter sich aus dem Minenfeld zurückziehen, während sich die großen die Patente teilen. Sie schließen sie einen ,Nichtangriffspakt‘ und gehen gegen Dritte vor." Auch Samen-Archive für alte Sorten, die aufgrund ihrer Geschmacksvielfalt auf Bauernmärkten und in Restaurants enorm beliebt sind, könnten irgendwann von Eigentumsrechten betroffen sein. Dann werden die Menschen kleinere Paletten an Geschmackserlebnissen und schmalere Bandbreiten an Nährstoffen auf dem Teller haben.