"Vulkan Europa": Das Werk steht für Neubeginn. - © Donau-Uni Krems
"Vulkan Europa": Das Werk steht für Neubeginn. - © Donau-Uni Krems

Krems/Wien. Die Demokratie ist die bisher beste Staatsform. Jedoch hat sie Reformbedarf. "Wir brauchen ein neues Nachdenken über Europa und einen Paradigmenwechsel", sagt Ulrike Guérot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung der Donau-Universität Krems, zur "Wiener Zeitung". Donnerstagabend eröffnete Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner das neue Department.

Schwerpunkte des Lehrstuhls sind die Institutionen der Europäischen Union, die Rolle der EU in der Welt und die Zukunft der europäischen Demokratie. Populismus und Nationalismus, Demokratiedefizite in politischen Strukturen und die Teilnahme am politischen Prozess sollen ebenso erforscht werden wie Krisenphänomene - etwa die Flüchtlingskrise, der Brexit und der Terror - mit Blick auf die Handlungsfähigkeit der Europäischen Union.

Esperanto-Staat Amikejo

Wer ist der Souverän? Laut Artikel 1 des Bundes-Verfassungsgesetzes ist Österreich eine demokratische Republik, in der das Recht vom Volk ausgeht. "Das Volk hat dem Staat die Souveränität übertragen. Theoretisch aber könnten wir als europäische Bürger, von Finnland bis Portugal, dem Nationalstaat unsere Souveränität wieder entziehen, weil dieser nicht das Europa macht, das wir wollen. Wir könnten die europäische Republik gründen", so Guérot.

Die Idee hat historische Wurzeln. "Die Zerrissenheit und der Hass zwischen den Nationen werden nur dann vollständig verschwinden, wenn die ganze Menschheit eine Sprache und eine Religion hat", erklärte der Augenarzt Ludwik Zamenhof, der 1887 die Grundlagen der Kunstsprache Esperanto herausgab. Zamenhof war in Boalysrok geboren worden, wo Polen, Russen und Deutsche lebten, die durch Sprache und Religion getrennt waren. Seine zum Großteil aus romanischen und germanischen Spachen gebildete Universalsprache sollte der allgemeinen Verständigung aller europäischen Nationen dienen. Auch Zamenhofs Pseudonym "Doktor Esperanto" hatte Programm - "der Hoffende".

Die Völkerverständigung ist auch das Ansinnen der Kremser Demokratieforscher, wie ein Kunstprojekt zum Start verdeutlicht. "Amikejo" - auf Esperanto "Ort der Freundschaft" - ist synonym mit einem kleinen, neutralen Landstrich zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland namens Neutral-Moresnet. Er entstand in der Folge der Neuaufteilung Europas beim Wiener Kongress 1814/1815 und rief sich 1907 als unabhängige Republik aus.