Wien. Der Klimawandel rückt den Pflanzen im alpinen Bereich zu Leibe, auch wenn die Veränderung lange unsichtbar bleibt, wie Forscher der Unis Wien, Zürich und Grenoble zeigen. Wegen ihrer Langlebigkeit besiedeln Pflanzen viele Standorte zwar länger als bisher erwartet, produzieren dabei aber Nachwuchs, der zusehends schlechter an die sich ändernden Bedingungen angepasst ist, schreiben sie im Fachblatt "Nature Communications".

Um sich ihr gewohntes Klima zu erhalten, müssen alpine Pflanzenarten ihren Lebensraum nach oben verschieben. Dort steht aber weniger besiedelbare Fläche zur Verfügung. Um das Aussterberisiko bedrohter Pflanzen abzuschätzen, griff die Wissenschaft bisher auf statische Modelle zurück, die aber die dynamischen Antworten der Flora unzureichend abbilden.


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Dossier: Artenschutz
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Simulation mit neuem Modell

Das Team um Frédéric Guillaume von der Uni Zürich hat ein neues Modell entwickelt, das ökologische und evolutionäre Mechanismen berücksichtigt und damit zuverlässigere Voraussagen erlaubt. Sie haben dieses auf vier Alpenpflanzen angewandt und deren Verbreitung unter drei Klimaszenarien bis 2150 simuliert. Sollte die Erwärmung auf ein Grad Celsius eingedämmt werden können, würden sich die Bestände wieder erholen. Bei einem ungebremsten Voranschreiten "haben die Pflanzen ein großes Problem".

Die Langlebigkeit der Pflanzen spielt dabei eine wichtige Rolle, die einzelnen Individuen leben zwischen fünf und 20 Jahre. Die Simulationen zeigen, dass die Anpassungsfähigkeit der Pflanzen nicht mit den raschen klimatischen Veränderungen Schritt halten kann. Dass sich ältere Individuen in einer sich verschlechternden Umwelt hartnäckig halten, täusche darüber hinweg, dass sich allmählich eine Aussterbeschuld aufbaut. Die Dichte des Bestands nehme schneller ab als die geografische Verbreitung.