Potsdam/Wien. Der Übergang des Menschen vom Dasein als Jäger und Sammler hin zum sesshaften Leben als Bauer war ein besonders bedeutender Schritt in der Menschheitsgeschichte. Dachte man bisher, dass es sich dabei um völlig unterschiedliche Populationen handelte, belehren uns Forscher nun eines Besseren. Denn Jäger und Sammler sowie Bauern lebten Seite an Seite, durchmischten sich und brachten gemeinsame Kinder zur Welt, berichtet ein Forscherteam um den deutschen Evolutionsbiologen Michael Hofreiter von der Uni Potsdam im Fachblatt "Current Biology".

Die Entdeckung räumt mit einer jahrelangen Debatte über die Veränderungen während der Neolithischen Revolution auf. Mit dem Aufkommen der Landwirtschaft, der Vorratshaltung und der Sesshaftigkeit des Menschen war die Epoche der Jungsteinzeit - das Neolithikum - eingeläutet worden.

Im heutigen Rumänien und vor allem im Donauraum sind die Jäger und Sammler den damaligen Bauern viel näher gekommen als bisher angenommen. Fossile DNA zeigt, dass die dortigen Menschen "sicher auch gewandert sind, aber dass die Farmer eine Mischung aus den einwandernden Populationen und der bereits ortsansässigen Jäger- und Sammler-Population waren", erklärt Hofreiter im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Aus anderen Regionen sind auch Funde bekannt, die Hinweise darauf geben, dass beide Populationen zwar relativ lang nebeneinander gelebt haben, allerdings ohne sich zu vermischen.

Warum dies gerade in Rumänien der Fall war, darüber könne man nur spekulieren, so der Forscher. Eine Möglichkeit sei, dass die Jäger und Sammler gerade im Donauraum relativ sesshaft waren, "weil sie viel vom Donaufisch gelebt haben und ihnen das ermöglicht hat, ohne Ackerbau an einem Ort zu bleiben". An der Donau habe es demnach ganze Jäger- und-Sammler-Dörfer gegeben.

Daten zu wenig engmaschig

In Westeuropa sah die Sache anders aus: Dort seien die Bauern hingewandert und konnten "ihr gesamtes kulturelles Paket mitnehmen", das auch - begonnen beim Ackerbau bis hin zur Keramikherstellung - funktioniert hat. Sie waren nicht auf die dortigen Jäger und Sammler angewiesen.

Im Donauraum scheint vieles funktioniert zu haben, doch sehe es so aus, "als hätte man, ohne die Lebensweisen und kulturellen Eigenschaften der Jäger und Sammler vor Ort anzunehmen, doch nicht gut überleben können", so Hofreiter. Dadurch könnte es zu Vermischungen gekommen sein.

In dieser Region hätte es schon archäologische Hinweise darauf gegeben, dass die beiden Gruppen relativ intensiv miteinander interagiert haben. "Dass es so extrem ist, dass wir einen Farmer finden, der mehrheitlich von Jägern und Sammlern abstammt, haben wir so nicht erwartet."

Diese Vermischungen gibt es wahrscheinlich auch anderswo. Jedoch seien die Untersuchungen noch zu wenig engmaschig, dass sich dies bestätigen ließe. Wo sie häufig stattgefunden haben und wo am wenigsten, sehen die Forscher erst, wenn sie die Populationsgenetik dichtmaschig aufgedeckt haben. Der Evolutionsbiologe geht aber davon aus, dass diese Vermischung sehr stark von örtlichen Gegebenheiten abhängig war.