Wien. Manche Lungenkarzinome können Resistenzen gegen Chemotherapeutika entwickeln. Das berichten Wiener Forscher im Fachjournal "Science Advances".

Lungenkarzinom zählt zu den häufigsten Krebsarten in Österreich. Jährlich sterben 4000 Menschen daran - viele waren über Jahrzehnte starke Raucher. Etwa 85 Prozent sind nicht-kleinzellige Lungenkarzinome, die recht gut auf zielgerichtete Therapien und Immuntherapien ansprechen. Die restlichen 15 Prozent der Patienten erleiden das kleinzellige Lungenkarzinom, das aus neuroendokrinen Zellen besteht und rasch metastasiert. Die Behandlung erfolgt durch zytotoxische Chemotherapie und Bestrahlung.

Beim kleinzelligen Lungenkarzinom kommt es allerdings nach erfolgreicher chemotherapeutischer Behandlung häufig zu einem Rückfall mit Tumorrezidiven,die resistent gegen weitere Chemotherapien sind. Forscher der Medizinuni Wien um Gerhard Hamilton haben die Ursache gefunden: Zirkulierende Tumorzellen schließen sich zusammen und werden zu chemoresistenten Zellverbänden. Die Überlebensdauer der Betroffenen beträgt zumeist nur wenige Monate. Bisher war unbekannt, was dafür verantwortlich ist.

"Wagenburgen" von Zellen

"Die zirkulierenden Tumorzellen schließen sich zum Schutz vor der Chemotherapie wie in einer Wagenburg zusammen und vermindern den Zutritt von Wirkstoffen", beschreibt Hamilton die Vorgänge. Sie können hunderttausende Zellen umfassen, bis zu zwei Millimeter Durchmesser haben und sind bis zu achtfach resistent gegen Chemotherapeutika - unter anderem, weil sich im Inneren des Aggregats ein Sauerstoffmangel bildet. Die Wissenschafter wollen nun herausfinden, wie man diese Zellverbände entweder verhindern oder zerstören kann. Ein vielversprechender Ansatz sei es, sie mit Hilfe von Enzymen oder Inhibitoren aufzubrechen.