Wien. (est) Bei Frauen endet die Fortpflanzungsfähigkeit lange vor dem Lebensende. Über den Vorteil einer langen Lebensspanne nach der Menopause rätselt die Forschung. Französische Biologinnen geben nun der Großmutter-Theorie neuen Rückenwind. Dieser These zufolge endet die weibliche Fruchtbarkeit im Alter von 40 und 50 Jahren, damit Frauen Kapazitäten frei haben, um ihren Töchtern bei der Aufzucht der Enkel zur Hand zu gehen.

Biologen um Carla Aimé vom Institut für Evolutionsforschung der Universität Montpellier kommen nun zu dem Schluss, dass kleine Kinder nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen Kapazitäten ihrer Omas benötigen. Statt weitere Babys zur Welt zu bringen, können Großmütter ihren Kindern und Kindeskindern ihre kognitiven Fähigkeiten zuteilwerden lassen. Die entscheidenden Vorteile, die der Nachwuchs daraus erfährt, könnten die Evolution dazu bewegt haben, den weiblichen Wechsel früh anzusetzen, berichten Aimé und ihr Team im Fachblatt "Plos Computational Biology" anhand von Computer-Simulationen.

Ressourcen heranschaffen

Die Forschenden haben am Computer modelliert, unter welchen Umständen die Menopause in simulierten Bevölkerungen einsetzt. Anhand dieser Simulation modellierten sie die Evolution der Ressourcenverteilung vor dem Hintergrund von Fortpflanzungserfolgen.

Der Wechsel entpuppte sich als Strategie zur Ressourcenverteilung: Die Fruchtbarkeit wurde gestoppt, damit Güter sich anders verteilen können. Kognitive Fähigkeiten und Erfahrung spielten eine Schlüsselrolle, "weil diese Eigenschaften Vorteile beim Heranschaffen von Ressourcen bringen", sagt Aimé. "Wenn man sich ab der Lebensmitte nicht mehr fortpflanzt, kann man mehr Güter besorgen, wodurch sich die Fortpflanzungsfähigkeit der Kinder erhöht und mehr Enkelkinder überleben."