Wien. (est) Wer in der Sommerhitze das Bedürfnis nach einem kalten Getränk hat, kann seinem Hypothalamus danken. Die Gehirnregion reguliert die Körpertemperatur und andere innere Zustände. Doch sie kann uns im Alter die Dienste versagen. Denn je älter wir werden, desto entzündlicher wird dieser Kern des vegetativen Nervensystems. Neurodendokrinologen um Dongsheng Cai vom Albert Einstein College in New York wollten wissen, ob dies die Lebensspanne verkürzt. Sie widmeten sich den Stammzellen im Hypothalamus, deren Zahl im mittleren Alter steil abfällt und im hohen Alter praktisch bei null steht.

Die Forscher beschleunigten den Alterungsprozess bei Mäusen. Sie gaben genetisch veränderten Tieren ein Medikament, das die Hypothalamus-Stammzellen abtötete. Mäuse mit 70 Prozent weniger dieser Zellen lebten um acht Prozent kürzer, berichten sie im Fachblatt "Nature". Auch Erinnerungsvermögen, Ausdauer und soziales Interesse nahmen ab.

Spritze zur Lebensverlängerung

Um ihnen ihre Jugend zurückzugeben, spritzten die Forscher einer Gruppe Hypothalamus-Stammzellen und einer anderen andere Gehirnzellen. Die Stammzell-Empfänger lebten um zehn Prozent länger als die Kontrollgruppe und gewannen physische und mentale Fähigkeiten zurück. Bei Menschen könnte eine Stammzellen-Injektion das Leben wohl auch verlängern.

Bisher nahm man an, dass Organe immer schlechter funktionieren, weil weniger Stammzellen weniger neue Zellen erzeugen. Da aber die Stammzellen-Spritzen sehr schnell wirkten, musste ein anderer Mechanismus verjüngen. Der Schlüssel sind von Stammzellen erzeugte microRNAs. Die Genregulatoren übertragen Botschaften zur Protein-Erzeugung an Körperzellen. Die Forscher entdeckten, dass Hypothalamus-Stammzellen Unmengen von microRNAs herstellen, die offenbar als Botschafter der Jugend agieren.