Wissenschafter gingen diesem Zusammenhang erstmals in den 1980er Jahren systematisch nach. Sie erforschten den "Phänotyp A", der für hyperaktive, bei geringen Reizen schnell in Rage geratende Männer stand, die einen Herzinfarkt erlitten und davor über Erschöpfungszustände geklagt hatten. "Man dachte, dass die Psyche genau diesen Typus in den Herzinfarkt treibt", erklärt Ladwig.

Dass Typ-A-Menschen sich nach dem Infarkt relativ gut erholten, offenbar weil sie ein dickes Fell hatten und mit der Situation zurechtkamen. Anders als Depressive, die leiser, aber konstanter leiden. Weitere Studien belegten ihren starken Effekt auf die Herzgesundheit, bei dem eine Art Kettenreaktion am Werk zu sein scheint. "Eine langfristige psychische Belastung kann bereits in der Kindheit ihre Grundlagen haben und Betroffene derart beeinflussen, dass sie alles als Stresssituation empfinden und wie unter Hochspannung durch ihr Leben gehen", erklärt Gunold.

Emotion macht Stress

Aus der Epigenetik ist bekannt, dass vor allem Menschen, die in den besonders prägenden ersten zwei Lebensjahren zu wenig körperliche Zuneigung erfahren haben - also zu wenig gekuschelt wurden, wie es der Wiener Hormonexperte Johannes Huber ausdrückt -, weniger stressresistent und somit anfälliger für Herzerkrankungen sind.

Ladwig und seine Kollegen haben wiederum untersucht, in welchem Verhältnis die Depression zu anderen Risikofaktoren wie Rauchen, hohen Cholesterinen, Fettleibigkeit oder Bluthochdruck steht und dazu die Daten von 3428 männlichen Patienten zwischen 45 bis 74 Jahren über zehn Jahre beobachtet. "Das Risiko für eine tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankung in Folge einer Depression ist fast ebenso hoch wie bei hohen Cholesterinwerten, Bluthochdruck oder Fettleibigkeit", sagt er.

Emotion macht Stress. Das Gebrochene-Herz-Syndrom ist eine seltene, akute und oft schwerwiegende Funktionsstörung des Herzmuskels meist unmittelbar nach einer außerordentlichen emotionalen oder körperlichen Belastung. Auch bei scheinbar gesunden Herzen schnürt sich der Herzmuskel vorübergehend selbst ab und verursacht Symptome wie bei Herzinfarkt. "Menschen können sogar an einer ganz heftigen Gefühlsaufwallung sterben und man kann sich sogar durch extremes Glücksempfinden zu Tode freuen", sagt Ladwig: "Glücklicherweise kommt das aber nur sehr selten vor."