Neben Routinetätigkeiten in Fabriken sind auch scheinbar komplexere Arbeiten betroffen - vom Zusammenfassen von Texten über Story-Generierung für Computerspiele bis zum Drehbuchschreiben von Telenovelas. Denn was braucht man für eine Soap Opera? Helden, Antagonisten, Protagonisten, alle fünf Folgen ein Liebesdrama und alle zehn Folgen einen Tod: Solche Sachen sind automatisierbar. Schwierig sind hingegen Übersetzungen, denn die Übersetzer müssen verstehen, was jemand anderer erzeugt hat, und es äquivalent in einer anderen Sprache und Ausdrucksweise wiedergeben. Allerdings machen Statistiken aus "Eulen nach Athen tragen" noch nicht "carrying coals to Newcastle".

Trotz methodischer Engpässe gilt KI als Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts. Welche Art der Renaissance erleben wir?

Seit ihrer Erfindung Mitte der 1950er Jahre wurde die künstliche Intelligenz mehrmals gehypt und totgesagt. Im Moment ist sie in der öffentlichen Wahrnehmung wieder ganz oben, weil seit den 1980er Jahren vorhandene Technologien aufgrund von leistungsfähigeren Computern eine Blüte erleben. Ähnlich wie in der Renaissance unterhält man sich darüber, was der Mensch eigentlich ist und was es heißt, zu schöpfen. Es gibt ein Wiederauferstehen von Technologien aufgrund des Fortschritts von Rechenleistung auf sehr kleinem Raum.

Wird künstliche Intelligenz ebenso umwälzend sein wie die Renaissance?

Ich sehe das Potenzial dazu, aber entscheiden wird es sich in den nächsten fünf Jahren. Derzeit sind wir noch am Anfang - es kann aber auch sein, dass Leonardo einen unglücklichen Schritt macht und vom Gerüst fällt, und dann war es das. Die erste Euphorie, die Tiefes Lernen (selbstlernende Algorithmen, Anm.) auslöste, haben wir überwunden, nun beginnt die Konsolidierungsphase. Wenn wir neue Ansätze entwickeln können, wie wir Robotern noch mehr Fähigkeiten geben können, kann die Umwälzung massiv werden. Derzeit aber funktioniert Tiefes Lernen so, dass der Computer aus dem Detail anhand von vielen Daten Wissen gewinnt. Nur wenn er lernt, wie die Menschen qualitativ zu abstrahieren und zu generalisieren, dann geht die Entwicklungskurve weiter steil nach oben.

Wenn nicht, dann werden wir weiterhin hervorragende Bild-Klassifikatoren, Fabriksarbeiter und Terminplaner haben und alles wird spezialisierter und verlässlicher werden. Aber dabei wird es dann auch bleiben. Dann wird es keinen Quantensprung geben in dieser Technologie.