Wien. Wenn man an einer Straßenkreuzung steht, ist es wichtig zu hören, ob sich ein Auto auf einen zubewegt oder wegfährt - genauso wie Urmenschen erkennen mussten, ob nächtens ein Raubtier heranschleicht oder auf Distanz bleibt. Österreichische Forscher zeigten mit Kollegen, dass Menschenhirne herannahende Geräusche intensiver verarbeiten als sich entfernende. Die Studie erschien im Fachblatt "Pnas".

Es gab schon zuvor wissenschaftliche Untersuchungen, wo sich zeigte, dass lauter werdende Töne besser wahrgenommen werden als leiser werdende. In der Regel bewirkt das Herannahen einer Geräuschquelle zwar ein lauteres Wahrnehmen, doch bisher konnte niemand eindeutig belegen, ob die gesteigerte Aufmerksamkeit tatsächlich dem vermeintlichen Näherkommen geschuldet ist oder bloß der zunehmenden Intensität.

Ein Team um Robert Baumgartner vom Institut für Schallforschung (ISF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat nun die Annäherung eines Geräusch-Verursachers mittels Veränderungen im Klangspektrum simuliert. Die Lautstärke der Tonsignale blieb bei den Tests konstant. Die Versuchspersonen konnten viel besser erkennen, wenn sich eine Geräuschquelle vom Klangspektrum her in ihre Richtung bewegte als von ihnen weg. Auch ihre mittels Elektroenzephalogramm (EEG) gemessenen Gehirnaktivitäten waren intensiver, wenn die Geräuschquelle näher zu kommen schien, als wenn sie sich entfernte.

Die erhöhte Wahrnehmung bei herannahenden Tönen (im Fachjargon "Auditory Looming Bias" genannt) war demnach tatsächlich dem Näherkommen geschuldet und nicht bloß Änderungen in der Ton-Intensität. Sie passiert aber nur bei kontinuierlichen Tönen. Setzten sie zwischendurch aus, nahmen die Versuchspersonen die Geräusche nicht intensiver wahr, auch wenn ein Näherkommen vorgetäuscht wurde. "Es braucht also für dieses Phänomen eine konstante Bewegung der Geräuschquelle, und nicht nur, dass sie am Schluss sehr nahe scheint", sagte Baumgartner.