Kyoto/Wien. "Wir spielen seit 20 Jahren auf demselben Klavier", skizzierte der Wiener Parkinson-Spezialist Dieter Volc erst vor wenigen Monaten im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" die Situation für Patienten, die von der sogenannten Schüttellähmung betroffen sind. Und tatsächlich begrenzen sich die heutigen Therapien lediglich auf eine Verbesserung der Symptome wie etwa die Bewegungsbeeinträchtigung, die Muskelstarre und das mit der Erkrankung großteils in Verbindung gebrachte Zittern (Tremor). Ein neuer Therapieansatz japanischer Forscher könnte nun Hoffnung in diese festgefahrene Situation bringen.

Bei Parkinson werden nach und nach die dopaminproduzierenden Zellen im Gehirn zerstört. Der Mangel an diesem wichtigen Botenstoff Dopamin führt zu den bekannten Symptomen dieser neurodegenerativen Krankheit. Treten die ersten Symptome zu Tage, ist allerdings bereits mehr als die Hälfte der dopaminproduzierenden Zellen abgestorben.

Experimentelle Therapie

Eine große Rolle in der Regulation der Dopamin-Ausschüttung spielt ein Protein namens Alpha-Synuclein. Es scheint schuld am Fortschreiten von Morbus Parkinson zu sein. Verklumpt dieses Eiweiß, beginnt es nämlich, Nachbarzellen zu infizieren. Einmal im Gehirn angekommen, greift es die dortigen Nervenzellen an und vernichtet diese nach und nach. Würde es gelingen, diese verklumpten Alpha-Synucleide rechtzeitig auszumisten, könnte möglicherweise ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert werden. Deshalb konzentriert sich die Forschung heute vor allem auf dieses Eiweiß.

Doch hätten einige wenige Studien bereits gezeigt, dass eine Transplantation mit fetalen Stammzellen die Erkrankung erfolgreich mildern kann, erklären die Forscher um Jun Takahashi vom Center for IPS Cell Research and Application der Kyoto University nun im Fachmagazin "Nature". Die Anwendung von fetalem Gewebe ist allerdings ethisch äußerst bedenklich.

Daher weichen die Wissenschafter weltweit auf sogenannte induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) aus. Diese aus Blut- oder Hautzellen produzierten Bausteine ähneln den natürlichen embryonalen Stammzellen in vielen Eigenschaften stark. Sie haben ein hohes medizinisches Potenzial, da die Forschung an ihnen weniger ethische Probleme aufwirft.

Nun stehen die Forscher, wie sie in der Publikation angeben, offenbar vor einem der letzten Schritte, um die Parkinson-Krankheit mittels experimenteller Zelltherapie beim Menschen bekämpfen zu können. Ihre sensationellen Forschungsergebnisse stammen aus Versuchen mit Affen. An Parkinson erkrankten Tieren wurden menschliche dopaminproduzierende iPS-Zellen eingesetzt. Bereits über zwei Jahre lang würde sich eine signifikante Verbesserung der zuvor festgestellten Symptome zeigen, berichten die Wissenschafter in ihrer nun publizierten Arbeit.

Qualität vor Quantität

"Wir stellten dopaminproduzierende Neuronen aus verschiedenen iPS-Zelllinien her", erklärt Tetsuhiro Kikuchi, Neurochirurg im Takahashi Lab der Kyoto University. Manche davon wurden von gesunden Spendern gewonnen, andere von Parkinson-Patienten, so der Forscher. Häufig werde das Ergebnis mit der Quantität, also der Anzahl der verwendeten Zellen, in Verbindung gebracht. Wichtiger sei vielmehr die Qualität der Zellen, wird in der Studie hervorgehoben. Dies zeigte sich nämlich auch in den Versuchen. Gesündere iPS-Zellen erhöhten demnach die Überlebenschance der dopaminproduzierenden Neuronen signifikant. Die Forscher fanden auch elf Gene, die die Qualität dieser Vorläufer praktisch anzeigen. Mittels bildgebender Verfahren wie Magnetresonanztomographie und Positronen-Emissions-Tomographie wurde schließlich der Fortschritt der tierischen Patienten festgemacht.

Wegen der erfolgversprechenden Ergebnisse hofft die Forschergruppe, noch vor Ende 2018 erste Patienten für diese Therapie gewinnen zu können. "Die Studie ist unsere Antwort, um iPS-Zellen in die Klinik zu bringen", betont Takahashi.