Cover von Ralf Konersmanns "Wörterbuch der Unruhe", erschienen im S. Fischer Verlag. Zur Leseprobe (als pdf-Dateil) geht es hier: Einleitung: Die Unruhe des Wörterbuchs - © S. Fischer Verlag
Cover von Ralf Konersmanns "Wörterbuch der Unruhe", erschienen im S. Fischer Verlag. Zur Leseprobe (als pdf-Dateil) geht es hier: Einleitung: Die Unruhe des Wörterbuchs - © S. Fischer Verlag

Lech. Der deutsche Philosoph Ralf Konersmann wird in diesem Jahr mit dem Essay-Preis "Tractatus" des Philosophicum Lech ausgezeichnet. Er erhält den mit 25.000 Euro dotierten Preis exemplarisch für sein Werk "Wörterbuch der Unruhe", informierte das Philosophicum Lech am Mittwoch in einer Aussendung. Konersmann mache in virtuosen Essays die Unruhe in unseren Leben bewusst, lobte die Jury.

Der 62-jährige Konersmann, Professor für Philosophie an der Universität Kiel, widmet sich mit seinem Werk gleichermaßen einem Kernphänomen wie einem Kernproblem unserer Gesellschaft. In seinem Essayband geht er den gegenwärtigen kulturellen Phänomenen der Unruhe auf den Grund. Selbst hält Konersmann in seinem "Wörterbuch der Unruhe" fest: "Die Unruhe ist uns in Fleisch und Blut übergegangen, ohne dass wir uns hätten anstrengen müssen (...) Im Fall der Unruhe sind wir alle Experten - Kenner und Komplizen zugleich." Er schrieb dazu - so die Meinung der Jury-Mitglieder Barbara Bleisch, Michael Krüger und Franz Schuh - "virtuose Essays zu Themen, in denen die Unruhe und das Spiel, das sie mit uns und wir mit ihr treiben, einsichtig wird".

"Ein großer Wurf"

Schon das Feuilleton hatte Konersmanns im Frühjahr erschienenes Werk hochleben lassen. Die "Neue Zürcher Zeitung" berichtete von einem "ganz und gar außergewöhnlichen Buch", die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" bescheinigte Konersmann einen "großen Wurf". Die "Freie Presse" wiederum sah das Buch als "ein Schatzkästchen, in dem man kramt, um sich zu amüsieren, um sich zu bilden, um mal richtig schön Pause zu machen".

Konersmann setzte sich mit seinem Werk gegen die anderen nominierten Autoren Dan Diner, Beate Rössler, Roberto Simanowski, Andreas Urs Sommer und Dieter Thomä durch. Bisherige "Tractatus"-Preisträger sind Juror Franz Schuh (2009), Kurt Flasch (2010), Norbert Bolz (2011), Herbert Schnädelbach (2012), Kurt Bayertz (2013), Peter Bieri (2014), Ulrich Greiner (2015) und Hartmut Rosa (2016). Überreicht wird der Preis am 22. September im Rahmen des Philosophicum Lech, das sich heuer in seiner 21. Auflage von 20. bis 24. September mit dem Thema "Mut zur Faulheit. Die Arbeit und ihr Schicksal" auseinandersetzt. Das Philosophicum Lech ist mit über 600 Teilnehmern bereits ausgebucht.

Der privat finanzierte "Tractatus"-Preis - er gehört zu den höchstdotierten im deutschsprachigen Raum - wurde 2009 vom Verein Philosophicum Lech ins Leben gerufen. Es sollen herausragende Publikationen auf dem Feld geistiger Auseinandersetzung und Standortbestimmung ausgezeichnet werden. "Zu den Auswahlkriterien der Jury zählen solche Aspekte wie zentrale Themen der Zeit zu analysieren, neue Perspektiven zu entwerfen sowie weiterführende und diskussionswürdige Deutungen der Krisen und Konflikte der Gegenwart zu bieten", so der wissenschaftliche Philosophicum-Leiter Konrad Paul Liessmann.