Wien. Eine einzige Hautschuppe reicht, um ein DNA-Profil erstellen und damit einen Täter überführen zu können. Seit vor 20 Jahren die "Österreichische Nationale DNA-Datenbank" des Bundesministeriums für Inneres als dritte nationale DNA-Datenbank weltweit gegründet wurde, hat sich sowohl in der Bedeutung der Erbgutanalysen als auch in der Methodik vieles verändert. Die moderne Polizeiarbeit wäre heute ohne diese umfassende Sammlung wohl nicht mehr vorstellbar.

"Grundsätzlich sind es drei Schritte, die es benötigt, um von einer Spur zu einem DNA-Profil zu kommen", erklärt Petra Hatzer-Grubwieser vom Institut für Gerichtliche Medizin in Innsbruck im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. Es beginne mit der Extraktion, dem Herauslösen oder Freisetzen der DNA aus den Spuren. Dann komme es zur sogenannten Amplifikation, wobei gezielt definierte Abschnitte der DNA vermehrt werden. In einem dritten Schritt, der Detektion, werden diese Abschnitte dann zur Auswertung dargestellt.

Je mehr, desto genauer

Untersucht werde dabei nur im nicht codierenden Bereich des Erbguts - jenem Teil, der weder Informationen über das äußere Erscheinungsbild noch Krankheiten oder Krankheitsdispositionen enthalte. Vermehrt bestimmte, definierte Abschnitte der DNA, die sogenannten STR-Systeme (short tandem repeats). Je mehr dieser Systeme man untersuche, desto höher sei auch die Aussagekraft der Analyse. "Zu Beginn der Datenbank sind es sieben Systeme gewesen, 1999 dann elf, heute 17", so die Expertin. Damit habe sich die Aussage eines Profils enorm erhöht. "Wir können Personen, ausgenommen, es sind eineiige Zwillinge, eindeutig voneinander unterscheiden."

Je mehr DNA gewonnen werden kann, umso genauer ist die Spur. Waren zu Beginn der Datenbank vor allem Blutspuren zur Profilerstellung nötig, genügt heute eine Hautschuppe. Die "klassischen Sekretspuren" wie Blut, Speichel oder Sperma verfügen aber über viel mehr Erbgutanteile als etwa ein Haar, so die Expertin.

Die DNA-Profile werden schließlich in die Datenbank eingespeist. Durch Abgleiche kann diese dann Zusammenhänge herstellen, ob das Merkmalmuster einer Person zu dem Merkmalmuster einer Spur eines Delikts mit unbekannter Täterschaft passt.

Die DNA-Untersuchung sei in fast allen Arten von Delikten anwendbar, erklärt Martin Steinlechner - ebenso vom Institut für Gerichtliche Medizin. Die Schwere der Delikte spiele dabei keine Rolle, wichtig sei, dass eine Spurenübertragung stattgefunden habe. "Das ist vor allem bei Delikten mit körperlicher Gewalt der Fall, aber auch bei Einbruch, Diebstählen oder Kfz-Entfremdungen", so der Experte. Auch bei Drohschreiben könne die Methode angewandt werden.

Genetisches Phantombild

Im Jahr 1997 kam die Methodik nur in Einzelfällen zum Einsatz, heute fast durchgängig. Im ersten Jahr seien in Innsbruck rund 300 Spuren untersucht worden, mittlerweile liege man bei bis 15.000 pro Jahr - und es sei zu erwarten, dass es noch mehr werden. Seit Mai gebe es zudem einen automatischen Mischspurenabgleich in der Datenbank. Dabei werden Mischspuren - also Spuren, die biologisches Material zweier Personen enthalten - automatisch mit Personenprofilen aus der Datenbank verglichen. Damit nehme Österreich eine Vorreiterrolle ein.

In der DNA-Analyse ist mittlerweile mehr möglich als erlaubt. So könnte man etwa aufgrund von Spuren an einem Tatort ein genetisches Phantombild des möglichen Täters erzeugen. Wegen rechtlicher Gründe und Einschränkungen bei der Treffsicherheit werden derzeit allerdings derartige Untersuchungen nicht durchgeführt.

Die Problematik dabei sei allerdings, dass viele Dinge, die unser Aussehen beeinflussen, von der Genetik her multifaktoriell sind. Das heißt, nicht nur ein bestimmter Abschnitt an einem bestimmten Gen-Ort bestimmt die Augenfarbe oder Form der Nase. Vielmehr sei dies von vielen genetischen Faktoren abhängig. Dennoch werden sich wohl die Möglichkeiten in den nächsten Jahren wieder breiter gestalten, als dies heute der Fall ist.