Wölfe stimmen sich als Rudeltiere gut aufeinander ab. - © Fotolia/Cloudtail
Wölfe stimmen sich als Rudeltiere gut aufeinander ab. - © Fotolia/Cloudtail

Wien/Ernstbrunn. Um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, können Wölfe besser an einem Strang ziehen als Hunde. Das haben Verhaltensbiologen des Wolf Science Center in Ernstbrunn herausgefunden. Wölfe sind demnach kooperativer und toleranter als ihre domestizierten Verwandten, schreiben die Forscher um Sarah Marshall-Pescini im Fachblatt "Pnas".

Hunde wurden zum Haustier gemacht, damit der Mensch einen perfekten vierbeinigen Begleiter an seiner Seite hat, heißt es in der Publikation. Deswegen sei bei der Auswahl der Tiere besonders auf Eigenschaften wie Toleranz und Kooperationsverhalten viel Wert gelegt worden. Man war davon ausgegangen, dass demzufolge Hunde auch ihren Artgenossen gegenüber diese Eigenschaften zeigen. Dass diese Entwicklung nicht stattgefunden hat, demonstrieren nun die Forscher in ihren Experimenten. Am Wolfsforschungszentrum der Veterinärmedizinischen Universität Wien wurde Wölfen und Hunden, die in Rudeln und an Menschen gewöhnt aufgezogen wurden, eine spezielle Aufgabe gestellt. Dabei sollten sie beweisen, wie gut sie mit ihren Artgenossen zusammenarbeiten.

Rudeltiere versus Einzelgänger

Hinter einem Zaun lagen für sie unerreichbar zwei Küken auf einem Tablett. Zwei Tiere konnten das Futter zu sich heranziehen, wenn sie gleichzeitig jeweils an einem Ende eines Seils zogen, das um das Tablett gefädelt war. Die Wolfs-Pärchen schafften das bei jedem vierten Versuch von insgesamt 416, Hunde-Pärchen nur bei zwei von 472 Versuchen. Bei den Wölfen funktionierte die Zusammenarbeit am besten, wenn sie eine gute soziale Bindung zueinander und einen ähnlich hohen Rang im Rudel innehatten.

In allen Tests zeigten die Wölfe den Forschern zufolge das bessere Teamwork. Die erfolgreichen Wölfe waren sogar in der Lage, schwierigere Aufgabenstellungen zu meisten. Ließ man sie einzeln in das Versuchsgehege, dann warteten sie sogar auf den Partner, bevor sie an dem Seil zogen. In allen Fällen arbeiteten sozial gleichgestellte Tiere besser zusammen, als ein Team mit unterschiedlichen Rangzugehörigkeiten.

Dies passe gut zu den Beobachtungen in der freien Natur, betonen die Forscher. Wölfe leben in sehr eng geknüpften Familiengruppen und sind darauf angewiesen, gemeinsam zu jagen, die Jungen aufzuziehen und ihr Territorium zu verteidigen. Frei lebende Hunde, die immerhin 80 Prozent der weltweiten Hundepopulation ausmachen, sind hingegen in der Regel Einzelgänger. Die Hunde waren zwar an dem Spielchen um das Futter ähnlich interessiert wie die Wölfe, aber sie zogen fast nie gemeinsam am Seil - vermutlich um soziale Konflikte um das Futter zu vermeiden, erklären die Forscher. "Wölfe streiten durchaus um Futterressourcen, aber am Ende bekommen beide ihren Anteil", so Marshall-Pescini. Bei Hunden hingegen hole sich das dominantere Tier alles, und das andere hält sich von ihm und dem Futter fern, damit es zu keinem Konflikt kommt.

Erzieherische Maßnahmen

Das Ergebnis dieser Experimente zeige eindeutig den sozioökologischen Hintergrund der Wölfe als Vorteil auf, wenn es um Teamwork geht. Studien mit Haushunden hätten zwar auch schon gezeigt, dass diese ebenso in der Lage seien, gut zusammenzuarbeiten. "Allerdings spielt in diesem Fall auch die Erziehung durch den Menschen die ausschlaggebende Rolle", erklären die Forscher.

Wer mehrere Hunde bei sich zu Hause hält, wird sie so erziehen, dass sie einander tolerieren und auch kooperativer miteinander umgehen. Freilebende Hunde hingegen, die ja auch domestiziert wurden, spüren diese erzieherische Maßnahme nicht. Aus diesem Grund sei es den Forschern auch wichtig gewesen, in den Experimenten nicht mit Haustieren zu arbeiten, um so die menschliche Komponente auszuschließen. Die Wissenschafter des Wolf Science Center wollen in weiterer Folge bei Wölfen und Hunden untersuchen, wie gut sie jeweils mit Menschen kooperieren können.