Wien. Eifersucht schweigt nicht. Sie kommt hoch, bäumt sich auf, breitet sich im Herzen aus und steigt zu Kopf. So reagieren die meisten Menschen auf Rivalen, die ihnen den Partner ausspannen wollen. Die Ratio kann das grüne Monster nur schwer beruhigen, zumal es existenziellen Gefühlen entspringt - Liebe und Hass - und ebensolche auslöst - Angst, Unsicherheit und Wut.

"Wenn wir die Evolution der Gefühle zu verstehen lernen, können wir auch unsere eigenen Emotionen besser bereifen", betont die Neurobiologin Karen Bales von der University of California im Open Access-Fachjournal "Frontiers in Ecology and Evolution". Wegen ihrer widersprüchlichen Rolle sei die Eifersucht "besonders interessant". Unkontrollierte Eifersucht kann Trennungen zur Folge haben, die Gesundheit beeinträchtigen und im allerschlimmsten Fall zu (häuslicher) Gewalt führt. Sie spielt aber auch eine positive Rolle für Paarbeziehungen, da sie sich meldet, wenn eine Bindung Aufmerksamkeit benötigt. In diesem Sinne kann sie Paare sogar zusammenhalten.

Bisher war wenig über die Biologie der Eifersucht bekannt. Auch wusste man wenig über ihre Rolle in der Evolution. "Um zu verstehen, warum sich die Monogamie entwickelt hat, müssen wir mehr über die Neurobiologie der Partnerschaft in Erfahrung bringen", sagt Bales. Zusammen mit Kollegen hat sie nach eigenen Aussagen erstmals an Primaten untersucht, was im Gehirn vor sich geht, wenn diese in Eifersucht verfallen. Das Fazit: Bei Anfällen von Eifersucht erhöht sich die Gehirnaktivität in jenen Regionen, die beim Empfinden von sozialem Druck und der Paarung auf den Plan springen. Ähnliche Forschungsarbeiten wurden laut den Forschern bisher nur an Präriemäusen durchgeführt. Bales und ihr Team maßen die Gehirnaktivität von Springaffen, die in monogamen Paarbeziehungen leben und - ähnlich wie Menschen - enge Bindungen eingehen, ihre Partner beschützen und unter Trennungen leiden. "Eifersüchtige männliche Springaffen verhalten sich ähnliche wie Menschen - sie würden ihre Partnerin sogar körperlich davon abhalten, sich anderen, fremden Männchen zu nähern", erklärt die Biologin.

Die Forschenden platzierten Springaffen-Männchen so, dass sie 30 Minuten lang ihre Partnerinnen in Gesellschaft fremder Männchen beobachten konnten. Am nächsten Tag saßen dieselben Primaten am gleichen Ort, bekamen jedoch nur andere weibliche und männliche Artgenossen zu Gesicht. Das Verhalten der Männchen wurde gefilmt. Über Hirnscans beobachteten die Forscher, welche Regionen bei welchem Zustand aktiv wurden. Gleichzeitig maßen sie während der Beobachtungszeit die Hormonspiegel ihrer Probanden, da gewisse Hormone bei Paarung, Bindung und Aggression in der Partnerschaft ansteigen sollen.

Wie sich zeigte, weist bei Eifersuchtsanfällen der zinguläre Kortex, der beim Empfinden von sozialem Druck, etwa durch Zurückweisung, aktiv wird, eine erhöhte Aktivität auf. Auch das laterale Septum, das in der Paarbindung von Primaten eine Rolle spielen soll, springt auf den Plan.

Mehr Testosteron im Blut

Eifersüchtige Männchen hatten erhöhte Werte von Testosteron und Kortisol. Je länger sie ihre Partnerin mit einem anderen betrachteten, desto höher wurde der Kortisol-Spiegel, der auch bei Stress absteigt, im Blut. Das erhöhte Testosteron erklären die Forscher mit einer stärkeren Aggressions- und Konkurrenzbereitschaft.

Zusammen mit den vorherigen Studien an Präriemäusen ergibt sich laut den Forschern das Bild, dass bei Paarbindungen Gehirnregionen für das soziale Gedächtnis und Belohnung aktiv werden. Die Aufrechterhaltung einer Beziehung scheint hingegen mit Verlustangst zu tun zu haben - genauer: der Angst vor dem Schmerz durch Verlust.

Bei Nagern und Primaten werden laut den Forschern zwar andere Hirnregionen aktiv, doch seien die gleichen Hormone zuständig. "In der Evolution ist die Monogamie vermutlich mehrere Male entstanden. Somit überrascht es nicht, dass die Biologie bei einzelnen Arten unterschiedliche Wege gefunden hat", erläutert Bales. "In jedem Fall konvergiert die Paar-Bindung aber mit der Eifersucht."

Als Nächstes wollen Bales und ihr Team untersuchen, wie das Gehirn von Weibchen auf Eifersuchtsgefühle regiert.