Wien. (est) Jeder Mensch ist einzigartig bis seine kleinsten Bausteine, die Zellen. Nicht zuletzt Erkenntnisse zum Darm-Mikrobiom haben gezeigt, dass in uns allen sogar unterschiedliche Zusammensetzungen von Bakterien leben, die über den Gesundheitszustand entscheiden. US-Forscher wollen ihre Kenntnisse über solche Kolonien nützlicher Bakterien - genannt Mikrobiom - nun ausweiten. Im Rahmen des "Earth Microbiome Project" haben sie bisher 27.000 Proben aus unterschiedlichen Umgebungen gesammelt. Nun wollen sie studieren, welche der für das freie Auge unsichtbaren Winzlinge auf den Proben leben.

Die Forscher untersuchen die Diversität und analysieren die DNA der Mikroben. Standardisierte Messmethoden sollen die Analyse zwar vereinfachen, jedoch in noch nie da gewesener Auflösung vorgenommen werden. Mehr als 300 Wissenschafter und 160 Institutionen arbeiten an dem im Fachblatt "Nature" veröffentlichen Projekt. Entstehen soll eine Forschungsdatenbank, die der Öffentlichkeit online zur Verfügung gestellt wird. Sie soll anhand des Mikrobioms Aufschlüsse über Umwelt und Umweltveränderungen geben. Die Daten könnten zudem bei forensischen Untersuchungen nützlich sein. Auch das Zusammenspiel zwischen Mikroben, Pflanzen, Tieren und Menschen soll genauer erforscht werden können. Seit Projektbeginn im Jahr 2010 wurden Proben aus 43 Ländern - von der Arktis bis in die Antarktis - zusammengetragen. Bisher haben diese Daten Grundlagenmaterial für 100 Studien geliefert.

"Mikroben leben überall", betont Erstautor Luke Thompson, der das "Earth Microbiome Project" leitet und am Nationalen Institut für Atmosphärische Beobachtung (NOAA) der USA tätig ist. Die Datenbank soll ihm zufolge erstmals anhand von genauen Messungen einen Überblick ermöglichen, wie Bakterien sich verbreiten und auf die Umwelt reagieren.