Ein niedergeschlagener Gesamteindruck: Louis Jean Francois Lagrenée, "Die Melancholie" (1785).   - © Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23442732
Ein niedergeschlagener Gesamteindruck: Louis Jean Francois Lagrenée, "Die Melancholie" (1785).   - © Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=23442732

Melancholie kann zu Poesie, zu Kunst führen, aber auch im Wahnsinn enden. Auch wenn der Begriff heutzutage meist synonym für Traurigkeit verwendet wird, so durchzieht die Melancholie seit der Antike philosophische und medizinische Schriften und gilt als Quelle der Inspiration für Schriftsteller und Künstler. Will man der Melancholie auf den Grund gehen, so überwältigt nicht nur ein unüberschaubares Konvolut an medizinischen, philosophischen und kulturwissenschaftlichen Büchern zum Thema, sondern auch eine ungeheure Anzahl an Affirmationen. Eine eindeutige Definition von Melancholie zu geben, scheint angesichts dessen aussichtslos. Der Versuch einer Annäherung an ein janusköpfiges Phänomen in elf Thesen.

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Melancholie ist eine Krankheit. Diese häufige Analogie, Melancholie sei gleichzusetzen mit Depression, ist falsch. Im 20. Jahrhundert wurde der Begriff Melancholie zunehmend aus den medizinisch wissenschaftlichen Abhandlungen gestrichen und durch Depression ersetzt. Heute wird sie als Krankheitsbezeichnung nicht mehr verwendet, in der International Classification of Diseases (ICD 10) ist sie nicht aufzufinden.

Zwar besteht Melancholie im herkömmlichen Sprachgebrauch weiter, aber sie bedarf – im Unterschied zur Depression – keiner medizinischen Intervention mehr. Und im Unterschied zur Depression umschreibt Melancholie einen Zustand, den man durchaus auch genießen kann.

Richtig ist hingegen, dass es eine Verbindung zwischen gewissen Ausprägungen der Melancholie und Krankheit gibt. Diese geht zurück in die Antike und verleiht der Melancholie seither ihr Janusgesicht. So galten Melancholiker damals als geniale Menschen: Die Philosophen, Politiker, Dichter und Künstler erschufen ihre Werke nicht ohne Nachdenken, Tiefsinn und Zweifel. Andererseits nahm man seit den hippokratischen Schriften aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. an, dass sich Melancholiker im Ungleichgewicht befänden, durch ein Übermaß an schwarzer Galle (gr. melas = schwarz; cholé = Galle), eine der vier charakterbildenden Körpersäfte. Dieser Überfluss wurde übrigens nicht nur für Schwermut verantwortlich gemacht, sondern unter anderem auch für Schlaganfälle, Schuppenflechte, Flatulenz, Frostfieber, Magenschmerzen oder Wurmbefall.