Malaria-Erreger (grün) auf Blutzelle. - © fotolia/Kateryna_Kon
Malaria-Erreger (grün) auf Blutzelle. - © fotolia/Kateryna_Kon

Wien. (sda/est) Wie die Ratten verlassen auch Malaria-Erreger sinkende Schiffe. Wenn es seinem Opfer immer schlechter geht, türmt der Parasit. Ein internationales Forscherteam hat entdeckt, wie er den richtigen Zeitpunkt dafür klar mitbekommt. Dann stellt er sicher, dass ihn eine Stechmücke in den nächsten Menschen überträgt, damit er nicht mit seinem derzeitigen Opfer zugrunde geht, berichten die Wissenschafter im Fachmagazin "Cell".

Um die Überfuhr nicht zu verpassen, wechselt der Erreger von einem Vermehrungs- in ein Übertragungs-Stadium. Was genau dieses Umschalten steuert, war bisher nicht geklärt.

Forscher des Schweizer Tropen- und Public-Health-Instituts (Swiss TPH) haben zusammen mit Kollegen aus den USA und Schottland entdeckt, dass ein vom Menschen erzeugtes Molekül im Blut des Patienten den Kurswechsel auslöst. Der Name des Moleküls, Lysophosphatidylcholine, wird mit den Buchstaben LPC abgekürzt. LPC dient dem einzelligen Parasiten (Plasmodium) als Baumaterial für neue Zellmembranen, wodurch dieser sich vermehren kann. Vermehrt er sich stark, sinkt die Konzentration von LPC im Blut. Die Menge des Moleküls verrät dem Parasiten somit, wie zahlreich er bereits im Blut vorhanden ist - und damit auch, wie schlecht es dem Betroffenen geht, nehmen die Forschenden an. Weniger LPC bedeutet auch weniger Baumaterial: Der Malaria-Erreger "merkt" somit, dass es an der Zeit ist, ins Übertragungs-Stadium überzugehen. "Erstmals konnten wir beweisen, dass der Malariaparasit im menschlichen Körper nicht ein festes Programm abwickelt, sondern flexibel auf die Umwelteinflüsse reagiert", erklärte Erstautor Nicolas Brancucci vom Swiss TPH.

Die Erkenntnisse, dass der Körper selbst dem Malaria-Parasit verrät, wann es Zeit ist, das "sinkende Schiff" zu verlassen, liefert eine wichtige Grundlage für den Kampf gegen Malaria: Damit kennen Forschende nun einen Angriffspunkt für neue Therapien, um die Übertragung des Erregers zu stoppen. Die Tropenkrankheit kostet jedes Jahr rund eine halbe Million Menschen das Leben. Vor allem für kleine Kinder endet die Krankheit oft tödlich.