Wien.Ein Jäger spannt seinen Bogen. 13 Hunde begleiten ihn, alle mit eigener Fell-Musterung. Zwei Hunde sind über Linien mit ihrem Herrchen verbunden, die vom Hals der Tiere zur Taille des Mannes führen. Es könnten die ältesten bildhaften Darstellungen von Hunden sein - vor Jahrtausenden in Sandstein geritzt, am Ufer eines ehemaligen Flusses in der arabischen Wüste.

Forscherinnen des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte (MPI-SHH) in Jena haben die Bilder im Fels auf ein Alter von mindestens 8000 Jahren datiert. Bei den beiden Linien handle es sich vermutlich um Hundeleinen, berichten sie im "Journal of Anthropological Archaeology". Das lege nahe, dass der Mensch seinen besten Freund schon viel länger abrichtet als angenommen. "Dies ist die älteste und bisher einzige Darstellung, die wir von Menschen mit Jagdhunden haben", kommentiert Melinda Zeder, Archäologin am Smithsonian Institute des Naturhistorischen Museums in der US-Hauptstadt Washington, die nicht an der Studie beteiligt war.

Die Jagdszene wurde in den Weltkulturerbe-Felszeichnungen von Shuwaymis im Nordwesten Saudi-Arabiens entdeckt. In der Steinzeit flossen hier Flüsse, auf den Hügeln wuchs dichte Vegetation. Maria Guagnin vom MPI-SHH und ihre Kollegen von der saudischen Kommission für Kulturerbe analysieren seit drei Jahren die Bilder. Entstanden ist ein Katalog mit 1400 übereinander gelagerten Abbildungen von 7000 Menschen und Tieren, deren Abbilder im Lauf der Jahrtausende in den Sandstein von Shuwaymis und dem 200 Kilometer entfernten Jubbah graviert wurden.

Vor 10.000 Jahren kamen Jäger und Sammler in die Region. Die ältesten Bilder stammen laut den Archäologen aus dieser Zeit. Sie stellen Frauen mit kurvigen Formen dar. Tierknochen-Funde aus der Region belegen, dass die Menschen vor 7000 bis 8000 Jahren begannen, Herdevieh zu halten. Zahlreiche Felsgravuren von Kühen, Schafen und Ziegen sollen aus dieser späteren Zeit stammen. Dazwischen liegt die Schicht mit den Jägern und Jagdhunden.

Die Forscher haben die Schichten analysiert und auf Fotos sichtbar gemacht. 156 Hunde in Shuwaymis und 193 in Jubbah verjagen Esel und packen Steinböcke und Gazellen am Nacken. Oftmals werden sie von Menschen, die mit Pfeilen und Bögen ausgerüstet sind, an der Leine geführt. Alle Tiere sind mittelgroß, haben spitze Ohren, kurze Schnauzen und eine nach oben gerollte Rute. Sie ähneln heutigen Kanaan-Hunden. Die Rasse aus Israel wird bis zu 60 Zentimeter groß, wird gerne im Mittleren Osten gehalten und gilt als reaktionsschnell, verteidigungsbereit und wachsam. "Das könnte darauf hindeuten, dass bereits in der Steinzeit Jagdrassen gezüchtet wurden", sagt Ko-Autorin Angela Perri vom MPI-SHH im Fachmagazin "Science". "Oder sie zähmten den arabischen Wolf zum zweiten Mal, der andernorts bereits vor 15.000 bis 30.000 Jahren domestiziert wurde."

"YouTube-Video der Steinzeit"

Die Datierung beruht auch auf Analysen des Verwitterungszustands des Steins und des Zeitpunkts, zu dem die Jäger und Sammler zur Weidetierhaltung übergingen. "Die Hundebilder sind 8000 bis 9000 Jahre alt", sagt Guagnin. Die bisher älteste Hunde-Abbildung liegt auf 8000 Jahre alten persischen Tongefäßen.

Perri analysiert Knochenfossilien von Canidaen weltweit und leitet daraus einen hohen Stellenwert des Jagdhundes in der frühen Menschheitsgeschichte ab. Allerdings seien "eine Million Knochen nicht so aussagekräftig wie diese Bilder, die so etwas wie das YouTube-Video der Steinzeit sind", sagt die Zooarchäologin.

Zeder gibt wiederum zu bedenken, dass das Alter der Tafeln und seine Deutung durch den Vergleich mit einer anderen, gut datierten archäologischen Stätte bestätigt werden müsse: "Eine Herausforderung, weil die Aufzeichnungen aus dieser Region sehr lückenhaft sind."

Doch selbst wenn die Bilder der Hunde jünger sind, könnten sie konkurrenzlos bleiben: Der bisher älteste Nachweis von Hundeleinen ist nämlich ein Wandgemälde, das vor 5500 in Ägypten gemalt wurde, betont Perri.