Wien. (est) Ein Japsen, ein Quietschen, ein Brüllen: Babylaute sind nicht leicht zu verstehen und können am Geduldsfaden ziehen. Dennoch studieren selbst kleine Kinder sehr eifrig, wie Sprache zu gebrauchen ist. "Obwohl es kaum sichtbar ist, lernen Babys sehr früh, was Worte bedeuten", sagt Elika Bergelson, Professorin für Psychologie und Neurowissenschaften an der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina.

Zuvor konnte Bergelson zeigen, dass Kleinkinder bereits ab dem Alter von sechs bis neun Monaten ein Grundverständnis der Wörter für Nahrung und Körperteile erwerben. Nun weist sie nach, dass Babys auch bestimmte Zusammenhänge verstehen. Etwa erkennen sie, dass Autos mehr mit Kinderwägen zu haben als mit Orangensaft. Für seine im Fachblatt "PNAS" veröffentlichte Studie zeichnete das Forschungsteam die Augenbewegungen der Kinder auf. Die Analyse zeigte, dass deren "Wortschatz" davon abhängt, worüber in deren Umfeld gesprochen wird. "Selbst im Frühstadium des Verständnisses erkennen Babys Wortverwandtschaften", sagt Bergelson. "Ab sechs Monaten lässt sich auch aus dem Umfeld der Kleinen ablesen, was diese wissen können. Sollten Kinder vernachlässigt werden und Sprachdefizite haben, lässt sich einiges machen, um diese Defizite auszugleichen."

Hand, Fuß und Milchpackerl

Zur Probe saßen Babys und ihre Bezugspersonen im Labor vor einem Computerbildschirm. Sie bekamen verwandte Bilderpaare zu sehen - wie Hand und Fuß - und solche, die nichts miteinander zu tun haben - wie Fuß und Milchpackerl. Die Bezugsperson wurde aufgefordert, jeweils eines der Bilder beim Namen zu nennen, während die Augenbewegungen der Babys registriert wurden. Bergelson stellte fest, dass die Kinder das beim Namen genannte Bild länger betrachteten, wenn das Bilderpaar nicht zusammenpasste. "Die Kleinen kennen die Bedeutungen nicht so gut wie Erwachsene. Aber sie scheinen zu erkennen, dass manche Wörter Ähnlichkeiten haben und andere nicht", betont sie.

Sie gab den Betreuungspersonen kleine Unterhemden mit, die die Baby-Laute zu Hause aufnahmen und winzige Videos machten. Das Ergebnis waren Aufzeichnungen der Begriffe und Phrasen, die die Kleinen zu hören bekamen, und der Objekte in ihrem Gesichtsfeld. "Wenn die Objekte, über die gesprochen wurde, auch zu sehen waren, wuchs das Verständnis," so Bergelson. Wenn also die Eltern "hier ist mein Lieblingsstift" sagten und dabei den Stift in die Höhe hielten, lernten die Kinder etwas über Stifte auf der Basis des Gesehenen. Wenn die Eltern aber "morgen gehen wir zu den Löwen im Zoo" versprachen, begriffen die Kinder nicht sofort, was "Löwe" bedeutet. Als Anleitung zum Sprechen lernen will Bergelson dies aber nicht verstanden wissen: Dazu seien weitere Studien nötig.