Wien. "Ein hartnäckiges australisches Virus könnte die Grippesaison eröffnen", berichtete die "Wiener Zeitung" im September. Diese Möglichkeit besteht noch immer, denn nach wie vor ist nicht klar, welcher Virustyp sich in dieser Saison breitmachen wird. Vor die Tatsache gestellt, werden wir vermutlich nach Weihnachten, wenn sich, wie Erfahrungen zeigen, die ersten Influenzafälle auftun.

Ob der bereitgehaltene Impfstoff seine Wirkung zeigen wird, hängt davon ab, welches Virus sich durchsetzen wird. Der australische H3N2-Subtyp ist darin nicht enthalten, bestätigte die Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der Medizinuni Wien, Ursula Wiedermann-Schmidt, am Dienstag. Die Vakzine beinhaltet neben dem Typ H1N1 und zwei Influenza-B-Stämmen zwar auch zwei H3N2-Erreger des Stamms A, aber nicht die mutierte Form, spezifizierte die Expertin. Folge ist, dass die Impfung ihre Wirkung nicht voll entfalten kann. Dennoch sei eine Immunisierung wichtig, so Wiedermann-Schmidt, denn damit könne die Krankheitsdauer bei einem Infekt wesentlich verkürzt werden, beziehungsweise können mögliche Komplikationen dadurch erspart bleiben.

Niedrige Durchimpfungsrate

Um diesen Problematiken entgehen zu können, arbeiten Forscher auch schon an einem universellen Impfstoff, der nicht nur für eine Saison, sondern gleich für Jahre wirken soll, berichtete Wiedermann-Schmidt gemeinsam mit Kollegen im Vorfeld des nächsten Österreichischen Impftags.

Derzeit liege die Durchimpfungsrate bei Influenza bei nur sechs Prozent, "dabei ist das eine Erkrankung, die jedes Jahr Tausende Todesopfer fordert", merkten die Experten an. Immer öfter finden sich Menschen, die die propagierte Sicherheit von Impfungen bezweifeln, stellte Rudolf Schmitzberger von der Österreichischen Ärztekammer fest. Selten stecke jedoch eine radikale Ablehnung dahinter, ist der Mediziner überzeugt. Eine bessere Arzt-Patienten-Kommunikation könnte hier Abhilfe schaffen. Eine generelle Impfpflicht lehnt er ab.

Auch werden die Vakzine immer weiterentwickelt beziehungsweise auch neue hervorgebracht. In der Pipeline befindet sich etwa ein Impfstoff-Kandidat, der eine Immunantwort gegen das TAU-Protein im Gehirn hervorrufen soll, das sich bei Alzheimer vermehrt ablagert. Die Impfung soll die Verschlechterung der Gedächtnisleistung stoppen. Die Medizinuni Wien arbeitet auch an einer möglichen Impfung gegen Allergien. Eine neue Keuchhustenprophylaxe könnte künftig nicht nur vor der Erkrankung, sondern auch vor deren Verschleppung schützen. Informationen und Fragestellungen dazu bietet der Österreichische Impftag am 13. Jänner in Wien.
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