Göbekli Tepe: Ort für Zeremonien der Urgeschichte. - © wiki/Teomancimit
Göbekli Tepe: Ort für Zeremonien der Urgeschichte. - © wiki/Teomancimit

Wien. Archäologische Funde sind die Schlüssel zur Menschheitsgeschichte. Sie eröffnen einen Blick in die Vergangenheit. Göbekli Tepe in Südostanatolien ist einer der bedeutendsten prähistorischen Fundorte. Schon im zehnten Jahrtausend vor Christus - weit vor der berühmten Megalithstruktur von Stonehenge - wurden hier Kreisanlagen gebaut für, wie Forscher annehmen, religiöse und soziale Zeremonien.

Über mikroskopische Analysen von Knochenfragmenten fand ein Team des Deutschen Archäologischen Instituts erste Hinweise auf den Totenkult der urzeitlichen Einwohner von Göbekli Tepe. Dabei spielten offenbar menschliche Schädel eine Rolle. Die Fragmente gehören zu drei Personen, deren Schädel nach dem Tod mit Schnitzereien bearbeitet wurden. Für das US-Magazin "Archaeology" ist der Fund eine der wichtigsten Entdeckungen des Jahres 2017.

Inschrift auf Felswand

Auch die anderen neun erstaunen. Etwa gewann die Universität Yale neue Erkenntnisse über die Ursprünge der Hieroglyphen. John Darnell und sein Team fanden eine Inschrift aus 3250 vor Christus auf einer Felswand am Rande der Wüstenstraße nördlich der antiken Stadt Elkab. Anders als die ersten Hieroglyphen sind diese Inschriften von weitem sichtbar. Die Symbole im Felsen ähneln jenen, die später verwendet wurden, um die Macht von Pharaonen darzustellen. Bulle, Störche und Ibis könnten hier erstmals eine Staatsgrenze markiert haben.

Wenig zahlreich vorhanden sind Überreste von Frühmenschen. Forschende des Max Planck Instituts für Evolutionäre Anthropologie suchten daher nach genetischen Spuren von Neandertalern und Denisovanern in Höhlen-Sediment in Frankreich, Belgien und Russland, das sich vor 100.000 bis 60.000 Jahren ablagerte. Sie fanden die DNA beider Vorfahren des modernen Menschen in Schichten, in denen keine Knochen übrig sind. Nach dem Tod austretende Körperflüssigkeiten hätten die Spuren hinterlassen, nehmen sie an.

Am Fuß eines Aztekentempels in Mexico City fanden Archäologen kunstvolle goldene Artefakte - und das Skelett eines jungen Wolfes. Das Tier war mit Rüstung begraben, als würde es einen menschlichen Krieger symbolisieren. Die Überreste stammen aus der Herrschaft von Ahuitzotl (1486-1502), der das Reich der Azteken ausdehnte. Das neolithische Monument Avebury nördlich von Stonehenge wiederum ist für seinen äußeren Steinkreis bekannt. Archäologen haben mit Bodenradar eine quadratische Form im inneren Kreis gefunden. Die Daten zeigen das Fundament eines frühen Hauses aus 3500 vor Christus. Zuvor hatte man angenommen, dass Avebury von außen nach innen erbaut wurde.

Älteste Überbleibsel

Auch "Archaeology" kürte jene Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie, die die ältesten Relikte des Homo sapiens auf 300.000 Jahre rückdatierten: Ein Schädel, der 1961 in Jebel Irhoud in Marokko ausgegraben und für einen Neandertaler gehalten worden war, wurde neu bewertet. Das Team hatte weitere Knochenstücke und Flintsteine entdeckt, die es auf ein Alter von 280.000 bis 350.000 Jahre beziffert. Zuvor hatten versteinerte Knochen aus Äthiopien mit 200.000 Jahren als älteste Überbleibsel des modernen Menschen gegolten.

Weiters lobt das Magazin neu entdeckte Tuffsteine der antiken römischen Trinkwasserleitung Aqua Appia, das Aufspüren von Wrackteilen des gesunkenen US-Kriegsschiffs "Indianapolis" sowie das älteste Fruchtbrot der Welt. Wissenschafter der britischen Terra-Nova-Expedition in die Antarktis sollen die Dose mit dem Kuchen im Jahr 1911 vergessen haben.