Bis zur Blüte der Gräser ist noch Zeit bis März. - © Fotolia/by-studio
Bis zur Blüte der Gräser ist noch Zeit bis März. - © Fotolia/by-studio

Wien. Die ersten Pollenallergiker sollten sich jetzt schon vor den Frühblühern Hasel und Erle wappnen. Denn aufgrund der günstigen Witterung ist die Blühbereitschaft heuer um etwa zwei Wochen vorverlegt, vermeldete jüngst die Medizinische Universität Wien. Die Belastungen sind derzeit noch gering, doch gerade zu Beginn einer Pollensaison kann das Immunsystem der Pollenallergiker besonders empfindlich reagieren.

Bis die ersten Gräser stäuben, dauert es vermutlich noch bis Mitte oder Ende März - doch wird auch hier wieder eine große Anzahl von Menschen an Schnupfen, Husten oder Atemproblemen leiden. Weltweit sind es gar 400 Millionen Menschen, die auf Gräserpollen allergisch reagieren.

Ein in Wien entwickelter Impfstoff könnte die Folgen für die Betroffenen um mindestens 25 Prozent reduzieren, gab am Donnerstag die Medizinische Universität Wien bekannt. Bis zur tatsächlichen Zulassung heißt es allerdings noch warten - vermutlich bis zum Jahr 2021.

Große Erwartungen

Die Wiener Forscher setzen recht große Erwartungen in den neuen Impfstoff BM32, der erfolgreich durch erste klinische Studien gegangen ist. In einer Phase-II-b-Studie mit insgesamt 180 Patienten in elf europäischen Zentren sei der Nachweis erbracht worden, dass die Substanz mit vier Injektionen im ersten und einer Auffrischung im zweiten Jahr die Symptome um zumindest ein Viertel lindern kann.

Die Immuntherapie mit BM32 basiert auf einer sogenannten rekombinanten Peptid-Carrier-Technologie, die weniger Injektionen notwendig mache und geringere Nebenwirkungen habe als vergleichbare Methoden. Entwickelt wurde die Therapie am Christian-Doppler-Labor für Allergieforschung unter der Leitung von Rudolf Valenta an der Medizinuni Wien in Zusammenarbeit mit der Biotech-Firma Biomay. Durchgeführt wurde die Studie von Forschern des Instituts für Pathophysiologie und Allergieforschung.

Der Impfstoff und die dafür nötigen Antikörper werden synthetisch hergestellt. Dabei werden dem Allergen mit einer in Wien entwickelten Technologie B-Zell-reaktive Peptide entnommen und zu Trägerproteinen für die Unterstützung durch die T-Zellen im Immunsystem verändert. "Dieser Prozess ist unendlich oft wiederholbar, der Impfstoff bleibt dadurch immer gleich wirksam, stets von gleicher Qualität und sicher", erklärt Valenta in einer Aussendung: "Das ist ein Wiener Produkt, das die Behandlung von Gräserpollen-Allergien revolutionieren wird." Das Patent wurde jedoch von der Medizinischen Universität Wien an die Biomay AG übertragen.

Die Verbesserung der Symptome betrug im Mittelwert immerhin 25 Prozent. Je stärker der Patient unter Gräserpollen litt, desto "stärker war auch der positive Effekt", erläutert die Medizinerin Verena Niederberger-Leppin von der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der Medizinuniversität und Erstautorin der Studie, die im "Journal of Allergy and Clinical Immunology" publiziert wurde. Es sei anzunehmen, dass die Symptome weiter zurückgehen, wenn die Impfung immer wieder aufgefrischt wird. Eventuell könnte die Vakzine in Zukunft auch zur Vorbeugung eingesetzt werden.

Zulassung 2021 geplant

Nun sollen eine Phase-III-Studie und eine Impfstudie bei Kindern folgen, die ab dem Jahr 2019 die Voraussetzungen für die allgemeine Zulassung ab 2021 schaffen sollen.

Der Wirkstoff BM32 kann aber möglicherweise noch mehr: Die Substanz könnte nämlich auch bei anderen Erkrankungen eine Behandlungsoption sein. Die Forscher sprechen dabei von Hepatitis B. Aber auch Asthmapatienten könnte die Therapie Linderung verschaffen, heißt es. Weitere denkbare Einsatzmöglichkeiten der Substanz sind laut den Wissenschaftern Allergien gegen Hausstaubmilben, Katzen, aber auch die immer häufiger auftretenden Ragweed-Pollen.