Wien. Der Mensch schränkt den Aktionsradius von Säugetieren massiv ein. Das berichtet ein Team mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal "Science". Demnach legen andere Säugetiere in von Menschen geprägten Gebieten höchstens ein Drittel der Wegstrecken zurück, die sie in unberührter Natur bewältigen.

Alle Säugetiere wandern täglich auf der Suche nach Futter. Die Biologin Marlee Tucker vom Senckenberg Biodiversität- und Klimaforschungszentrum und der Goethe-Universität in Frankfurt hat mit Kollegen mehr als 800 Exemplare von 57 Säugetierarten, von Hasen über Wildesel bis zu Elefanten, mit GPS-Sendern ausgestattet und über rund zwei Monate stündlich ihren Aufenthaltsort erfasst.

Verkehr und Landwirtschaft

Diese Daten wurden mit dem "Human Footprint Index" der Gebiete verglichen. Der Index gibt an, wie stark eine Region durch Siedlungen, Verkehr oder Landwirtschaft verändert ist. In Gebieten mit hohem "Human Footprint Index", etwa einer von Ackerbau geprägten Landschaft in Mitteleuropa, legen Säugetiere in zehn Tagen nur 33 bis 50 Prozent der Strecken zurück, die Arten in freier Wildbahn bewältigen. Den Daten zufolge werden die Tiere unter menschlichem Einfluss nicht langsamer, sondern laufen über längere Zeiträume weniger weit.

Petra Kaczensky von der Veterinärmedizinischen Universität Wien hat die Wanderungen der Asiatischen Wildesel in der Wüste Gobi beobachtet, die aufgrund der kargen Vegetation binnen zehn Tagen die größte Distanz aller untersuchter Arten zurücklegen. Im Mittel wanderten die sechs mit Sendern ausgestatteten Tiere in zehn Tagen 77 Kilometer weit. Im Vergleich dazu legen Europas Rehe 1,2 Kilometer und Braunbären 20 Kilometer zurück. Zu den Gründen zählen laut den Forschern ein besseres Futterangebot und Straßen, die natürliche Lebensräume zerstückeln.