New York/Wien. Vom Aufstehen bis zum Ins-Bett-Gehen bewegt sich der Mensch durchgehend - den gesamten Tag. Und das immer zur richtigen Zeit und mit richtiger Geschwindigkeit. Ein perfektes Zusammenspiel verschiedenster Gehirnzellen in ständiger Kommunikation mit allen anderen Zellen im Körper ermöglicht diese Aktivität. Menschen mit Morbus Parkinson verlieren im Laufe ihrer Erkrankung diese natürliche Kontrolle über willkürliche Bewegungsabläufe. Eine neue Studie, erschienen im Fachblatt "Nature", hilft nun dabei, die Funktionen dieser Neuronen besser zu verstehen.

Die Initialzündung

Bei der Parkinsonkrankheit kommt es zu einem kontinuierlichen Verlust bestimmter Nervenzellen. Aufgrund des Absterbens dieser Zellen kann vor allem der Botenstoff Dopamin nicht mehr in ausreichender Menge produziert werden. Erreicht dieser Prozess die sogenannte Substantia nigra, eine bestimmte Region im Mittelhirn, treten Ausfälle bei Bewegung auf. Die Substantia nigra vermittelt Signale, die besonders auf die Planung und den Beginn einer Bewegung wirken.

Lange haben Forscher daran gearbeitet, diesen Prozess zu verstehen, der sich in den typischen Parkinson-Symptomen wie Steifigkeit, Bewegungsverlangsamung und Zittern zeigt. Bisher war vermutet worden, dass unser Gehirn einen konstanten Level an Dopamin benötigt, um normale Bewegungen ausführen zu können. Doch Parkinson-Patienten haben "kein allgemeines Motorproblem", erklärt nun der Neurowissenschafter und Erstautor Joaquim Alves da Silva vom Champalimaud Center for the Unknown in Lissabon. So unglaublich es klingen mag, Menschen mit dieser Erkrankung können nämlich durchaus Fahrrad fahren.

Die motorischen Probleme seien vielmehr wesentlich spezifischer, so der Forscher. Das eigentliche Problem bestehe darin, eine Bewegung auszulösen beziehungsweise in der langsamen Ausführung. Das Team konnte nun in gesunden Mäusen zeigen, dass lediglich ein Hauch an Dopamin nötig ist, um eine Bewegung zu starten. Der Neurotransmitter Dopamin, im Volksmund Glückshormon genannt, scheint nur ein Auslöser willkürlicher Bewegungen zu sein.

"Zum ersten Mal konnten wir zeigen, dass die Veränderung der neuronalen Aktivität nötig ist, um Bewegung voranzutreiben", erklärt Alves da Silva. Und ebenso erstmals konnten die Forscher darlegen, dass der Dopaminhauch, der der Bewegung vorausgeht, diese nicht nur einleitet, sondern auch deren Kraft reguliert. Derzeit werden Parkinson-Patienten mit der Substanz Levodopa versorgt, um den Körper mit Dopamin zu versorgen und die Symptome zu lindern.

Therapie verbessern

"Levodopa schüttet das Hormon allerdings permanent aus und nicht nur dann, wenn wir uns bewegen wollen", erklärt Rui Costa von Columbia’s Zuckerman Institute in der Publikation. Zudem führt eine Langzeittherapie mit der Substanz zu weiteren motorischen Einschränkungen - etwa ungewollten Überbewegungen (Dyskinesie). Besser wäre es, Dopamin dann zu verabreichen, wenn der Wunsch nach Bewegung gegeben ist, stellen die Forscher fest.

Die Studienautoren sind davon überzeugt, dass die Ergebnisse ihrer Studie neue Entwicklungen in der Therapie von Morbus Parkinson vorantreiben können, um die Symptome tatsächlich mildern zu können.