Wien. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der medizinischen Bildgebung steht im Mittelpunkt des Europäischen Radiologie-Kongresses (ECR) bis Samstag in Wien. Weitere große Themen sind Hybrid-Bildgebung und die computergestützte Bildanalyse und -interpretation, gaben die Organisatoren zum Auftakt der Konferenz am Donnerstag bekannt. Der ECR ist die Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Radiologie und mit 28.000 erwarteten Teilnehmern einer der größten medizinischen Kongresse der Welt.

"Die Analyse von Big Data mittels künstlicher Intelligenz wird einen enormen Einfluss auf die Prävention, Heilung und Versorgung von Krankheiten haben", sagte Wiro Niessen vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam. Groß angelegte Datenanalysen und Studien würden bei der Untersuchung des Gehirns, speziell bei Demenzerkrankungen, neue Blickwinkel aufzeigen. Selbst lernende Algorithmen könnten Diagnostik und Prognose verbessern, zeigte sich Niessen überzeugt.

Algorithmen arbeiten vor

Ärzte könnten bessere Therapieentscheidungen treffen und individuellere Behandlungsstrategien entwickeln, wenn Künstliche Intelligenz vorarbeitet. Radiomics, ein junges Teilgebiet der Radiologie, bei dem der Computer zur strukturierten, quantitativen Analyse von Bilddaten anhand einer sehr hohen Anzahl von Merkmalen eingesetzt wird, werde entscheidend zur personalisierten Medizin beitragen, etwa in der Onkologie. Für die sogenannte wertbasierte Radiologie (Value-based Radiology) sei hingegen die Qualität der Daten bedeutender als ihre Menge, sagte Marc Dewey von der Berliner Charité. Die wertbasierte Radiologie bringe verbesserte Behandlungsergebnisse bei geringeren Kosten. Strukturierte Radiologie-Berichte, die der Computer mit vordefinierten Beschreibungen ausfüllt, gäben Ärzten mehr Zeit für Patienten.