"Fasten kann chronische Krankheiten wie Rheuma oder Arthritis und Stoffwechselstörungen wie Diabetes lindern. Es ist eine Möglichkeit, Gewicht zu regulieren und ohne große Schwankungen zu halten. Es hebt die Stimmung. Es verjüngt den Körper und den Geist", schreibt Stekovic. Er plädiert zu regelmäßigen Fastentagen, um die Autophagie, die im Alter nachlässt, regelmäßig anzukurbeln.

Damit das auch funktioniert, setzt der Autor in seinen wissenschaftlich untermauerten Erklärungen auf Konsequenz. Denn: "Beim Fasten gibt es kein Schummeln. Ein bisschen Fasten gibt es so wenig wie ein bisschen schwanger, ein bisschen reich oder ein bisschen tot. Die geringste Menge Nahrung fühlt sich zwar nicht so an, aber sie bedeutet Essen." Auch Alexander Haslberger rät zu einer wöchentlichen Unterbrechung der Energiezufuhr - in einem Ausmaß von mindestens 18 Stunden, um die Autophagie anzukurbeln, sowie einer jährlichen einwöchigen Fastenkur.

Doch wir wären nicht Menschen, wenn wir nicht nach Auswegen suchen würden. Denn Fasten verlangt ein großes Ausmaß an körperlicher Beherrschung. Hungern, ohne zu hungern, hätte also seinen Reiz. Und so sucht die Wissenschaft auch nach sogenannten Fastenmimetika - also Substanzen, die eine ähnliche Wirkung hervorrufen. Haslberger führt hier die Sirt-Diät an. Dabei kommen bestimmte Pflanzeninhaltsstoffe zum Einsatz, die dem Körper vormachen sollen, dass er fastet, um zu einem ähnlichen Ergebnis zu gelangen. So würden etwa grüner Tee, Soja, Nüsse, Zitrusfrüchte und andere Nahrungsmittel den "Jungzelleneffekt" positiv beeinflussen. Auch das Wachstumshormon Spermidin kurbelt die Vorgänge an. Zu den besonders verlässlichen Lieferanten zählen Keime und Bohnen.

Auch Gemüse kann böse sein

Doch Vorsicht: Bohnen, aber auch Getreide und andere Früchte, enthalten Lektine (Proteine, zu denen etwa auch Gluten zählt). Sie sind besonders dem US-Kardiologen und Ernährungsexperten Steven R. Gundry ein Dorn im Auge. In seinem Buch "Böses Gemüse" (Beltz) schärft er detailliert den Blick des Lesers für diese Feinde auf unseren Tellern. Deren toxische Wirkung würde sich erst im Laufe des Lebens bemerkbar machen. "Sie unterbrechen die Kommunikation zwischen Zellen", dringen in den Blutkreislauf ein und fördern Entzündungsreaktionen. Magen- und Verdauungsbeschwerden seien "nur die Spitze des Eisbergs". In einem eigenen Rezeptteil skizziert Gundry seine lektinfreie Ernährung. Ihr zugrunde liegen "die richtigen pflanzlichen Nahrungsmittel zur richtigen Zeit in der richtigen Zubereitung und in der richtigen Menge".

Lektine können Irritationen auslösen, wie es auch bei der Glutenunverträglichkeit bekannt ist, sagt Haslberger. Doch weglassen sei kein guter Weg. Pflanzen wie Bohnen, Getreide, Paradeiser oder Erdäpfel seien für unsere Ernährung "enorm wichtig". Das spiegelt auch die Ernährungspyramide wider, die nach wie vor als Basis in der Ernährungswissenschaft gilt.

Die Forschung visiert allerdings schon neue Ziele an: "Wir sind auf dem Weg von einer bestmöglichen Ernährung für alle hin zu einer metabolischen Typenernährung", erklärt der Experte. Es sei klar, dass etwa ein Sportler oder ein alter Mensch mit seinen spezifischen Anforderungen eine individualisierte Ernährung braucht. "Und es ist tatsächlich so, dass wir aus genetischen und epigenetischen Gründen sowie aufgrund unserer Mikrobiota individuell auf Nahrungsinhaltsstoffe ansprechen." Um diese unterschiedlichen Typen festlegen zu können, wird jedoch noch viel Forschungsarbeit zu leisten sein. Bis es so weit ist, können wir wohl nach wie vor nur gustieren und ausprobieren - und letzten Endes wohl auf unseren Bauch hören.