Auswege aus der Falle

Der ersehnte Ausweg aus der Falle scheint auch gleich das World Wide Web zu sein. Von vielen wird dieses als die Technik gegen Einsamkeit gesehen. Weltweit verbringen zwei Milliarden Menschen täglich Millionen von Stunden auf Facebook. Sie nutzen dieses soziale Onlinenetzwerk ganz offensichtlich, weil sie sich davon ein besseres soziales Leben versprechen. "Kommunikation, Verbundenheit und Gemeinschaft gehören schließlich zu den Hauptquellen menschlichen Wohlbefindens", so Spitzer. Erwiesen sei allerdings, dass die Nutzung sozialer Onlinemedien zu einer geringeren Lebenszufriedenheit führt.

Das Gefühl der Einsamkeit löst im Körper Stress aus. Und wenn wir spüren, dass wir keine Kontrolle über das Leben haben, leiden wir - genauso wie bei ständiger Überbelastung - unter chronischem Stress. Doch "die gleichen Veränderungen, die bei akutem Stress sinnvoll sind - das Hochregeln von Blutdruck, Blutzucker und Kreislauf, sowie das Abschalten von kurzfristig unwichtigen Körperfunktionen wie Wachstum, Verdauung, Immunabwehr - bewirken bei chronischem Stress Krankheiten". Damit steige durch Einsamkeit die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von Bluthochdruck, Stoffwechselstörungen, Gefäßleiden sowie Schlafstörungen, Depression, Lungenkrankheiten und Infektionskrankheiten.

Auswege aus der Misere scheint es aber zu geben. Zum einen sind es Freunde zum Angreifen, die uns davor bewahren. In Studien zeigt sich auch, wie groß der Effekt sein kann. So ließe sich mit ein paar Freunden mehr die Einsamkeit immerhin um zehn Prozent senken, skizziert der Forscher. In erfüllenden Gemeinschaften gibt es ein Geben und Helfen, aber auch Tätigkeiten wie Musizieren, Singen und Tanzen, die die Kooperation befördern. "Alle Handlungen, die uns einander näher bringen, wirken gegen Einsamkeit", schreibt Spitzer.

Vermeidbares Risiko

Dass es sich bei der Entwicklung um kein heraufbeschworenes Problem handelt, zeigt auch eine Vorgehensweise in Großbritannien, wo einer Studie zufolge neun Millionen Menschen häufig von Einsamkeit betroffen sind. So wurde im Jänner die Staatssekretärin Tracey Crouch als Ministerin für Einsamkeit eingesetzt, um mit parteiübergreifenden Projekte die Entwicklung zu bremsen.

Und auch Spitzer fordert in seinem Buch die politisch Verantwortlichen zum Handeln auf. "Denn bei Einsamkeit und sozialer Isolation handelt es sich - wie bei allen anderen Risikofaktoren auch - um vermeidbare Risiken."

Wer allerdings nach einem arbeitsreichen Tag die Einsamkeit regelrecht sucht, sollte sich davor nicht scheuen. Der richtige Weg dorthin ist das Ziel. Wer Einsamkeit als erfüllend erleben möchte, soll diese aktiv suchen - und zwar in der freien Natur. Dort werden Grübeln, Angst und Stress verringert und das Alleinsein wird zum Heilmittel.

Sachbuch

Einsamkeit - die unerkannte

Krankheit

Manfred Spitzer, Verlag Droemer

320 Seiten, Euro 19,99