Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) schritt bei Hawking langsamer als üblich voran. Es handelte es sich um eine chronisch juvenile ALS, gekennzeichnet durch einen extrem langen Krankheitsverlauf. Nach und nach verlor Hawking dennoch die Fähigkeit, seine Muskeln zu bewegen. Ab 1968 war er auf einen Rollstuhl angewiesen.

1985 erlitt der Physiker eine Lungenentzündung, die in seinem Zustand lebensbedrohlich war. Es kam zu Atemnot, die nur durch einen Luftröhrenschnitt überwunden werden konnte. Durch den Eingriff verlor Hawking die Fähigkeit, zu sprechen. Fortan teilte er sich mit, indem er mit einem Cursor auf einem Bildschirm Wörter buchstabierte. Ein Sprach-Synthesizer verarbeitete die Eingaben zu jener androiden Stimme, die zu Hawkings Markenzeichen wurden. Auf diese Weise schrieb er 1988 sein populärwissenschaftliches Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit". Es setzte neue Maßstäbe für Wissenschaftsvermittlung.

Kosmologie, witzig und sprachgewandt vermittelt

Witzig und sprachgewandt bewegt das Buch nicht nur den Geist, sondern auch die Lachmuskeln. Humor erleichtert das Begreifen - das Werk führte jahrelang Bestseller-Listen an. Der Inhaber des prestigereichen Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik am Gonville and Caius College in Cambridge, den dereinst Isaac Newton besaß, wurde zum Popstar der Wissenschaft. Es folgten Bücher wie "Schwarze Löcher" und "Das Universum in der Nussschale". Hawking gab Kinderbücher heraus, trat in der Sci-Fi-Serie "Raumschiff Enterprise" auf und wurde zur Figur der Zeichentrickserie "The Simpsons". Der Kinofilm "Die Entdeckung der Unendlichkeit" über sein Leben wurde mit dem Oscar bedacht.

Möglicherweise betrat Hawkings Genius genau zur richtigen Zeit die Bühne der Wissenschaft, als der technische Fortschritt neue Erkenntnisse ermöglichte und Ideen beflügelte: Kosmologie fasziniert alle Welt. Hinzu kam Hawkings spezielle Lebenssituation. "Die Idee eines großen Geistes, der in seinem Körper gefangen ist, aber dennoch den Kosmos bereist, regte die Fantasie an", postuliert Wissenschaftsautor Davide Castelvecchi im Fachmagazin "Nature". Der Physiker galt außerdem als Frauenheld und soll meisterhaft geflirtet haben. Er führte ein erfülltes und bewegtes Familienleben. 1965 heiratete er seine Jugendliebe Jane Wilde. Ihre Söhne Robert und Timothy wurden 1967 und 1979 geboren, ihre Tochter Lucy 1970. Das Paar ließt sich 1990 scheiden. Die Romanistin Jane schrieb in einer Autobiografie über ihre Ehe, dass ihr Mann unnahbar, ein "allmächtiger Herrscher" und "Meister der Manipulation" geworden sei. Sein Ruhm habe ihn "aus dem Orbit der Familie" katapultiert. 1995 heiratete Stephen seine Pflegerin Elaine Mason. Die Verbindung hielt elf Jahre.