Was ist Burnout genau? Ist das eine wohldefinierte Krankheit?

Nein, Burnout ist in Österreich nicht als Krankheit definiert. Deshalb bekommt man auch keine Therapie auf Krankenschein. Wir diagnostizieren in Österreich psychische Krankheiten nach dem ICD-10, einem standardisierten psychiatrischen Klassifikationssystem. Dort steht das Burnout mehr oder weniger im Anhang, als Syndrom. Und dieses Syndrom ist mit krankheitswertigen Symptomen verbunden. Das beginnt in der Frühphase mit Einschlaf- und Durchschlafstörungen und endet in der Spätphase in depressiven Zustandsbildern, die auch Suizid-Gedanken mit einschließen können.

Lässt sich die Ursache festmachen, gar der Verursacher benennen?

Wir haben bereits im Rahmen der "Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsqualität und BurnouT" versucht, alle möglichen Stakeholder an einen Tisch zu bekommen, aber es kam immer nur ein Konflikt dabei heraus. Ist der Erkrankte schuld, oder seine jeweilige Arbeitswelt? Die Arbeitgeber sagen: 'Wir waren es nicht.' Und die Erkrankten meinen: ‚Ich habe mich krank gearbeitet, weil der Druck so groß war.‘ Wir, die wir von außen auf das Problem schauen, sagen: Beide sind gefragt. Natürlich gibt es immer persönliche Faktoren, die zu so einem Problem führen. Aber es hat immer auch mit der Arbeitswelt zu tun. Wir müssen darüber reden, wie wir es schaffen können, mit geeigneten Maßnahmen zu verhindern, dass sich Menschen mit katastrophalen Konsequenzen ausgebrannt oder gelangweilt fühlen.

Soll Burnout als eigene Krankheit anerkannt werden?

Ja, aber es wäre vor allem wichtig, Aufklärungsarbeit darüber zu betreiben, was ein Burnout tatsächlich ist. Meist ist das ein jahrelanger, schleichender Prozess. Deshalb könnte auch ein guter Schauspieler so eine Krankheit nicht ohne weiteres simulieren. Aber wenn ich in diesem Prozess mehr Informationen, mehr Aufklärung hineinbringen könnte, und zwar auf beiden Seiten, der Arbeitnehmer- wie der Arbeitgeberseite, dann müsste das Burnout nicht zu so einer großen Belastung werden. Das wichtigste Gut für ein Unternehmen sind die Menschen, die darin arbeiten. Und für die, die davon betroffen sind, wäre es natürlich wichtig, eine Therapie auf Krankenschein zu bekommen. Aber es gibt natürlich auch ein Interesse der Kostenträger, Burnout im Syndrom-Bereich zu verorten. Es würde sonst noch mehr Kosten bedeuten.