Wahrscheinlich nicht, weil sie in diesem Beruf ausgebrannt sind. Die Flamme für diesen Beruf ist erloschen. Wenn mir jemand sagt, er habe Burnout gehabt und dann im selben Job weiter macht, werde ich immer vorsichtig. War es wirklich ein Burnout, oder doch etwas anderes?

Welche Unterstützung sollte man den Menschen geben, wenn sie wieder gesund sind?

Man achte auf die Terminologie: Wenn man Angestellter ist, wird man wieder ‚arbeitsfähig‘. Man ist also nominell nicht gesund, sondern bloß wieder fähig. Aber Arbeitsfähigkeit bedeutet noch nicht Gesundheit. Was in Österreich tatsächlich flächendeckend fehlt, ist ein Wiedereinstieg in Etappen. Ein Wiederbeginn mit zehn Stunden Arbeitszeit, und vielleicht eine Begleitung durch Mediziner und Psychologen, die es ja in manchen Unternehmen gibt. Es gibt Vorzeigeunternehmen wie die Erste Bank, die das schon anbieten und damit erfolgreich sind. Es würde der Gesellschaft und der Wirtschaft nützen, wenn man vom ‚Ganz oder gar nicht‘ wegkommen könnte. Und es wäre auch hilfreich, Burnout- Betroffenen andere Arbeitsbereiche zu eröffnen.

Warum haben wir Menschen so eine überbordende Tendenz, gut dazustehen, keine Probleme zu haben, und lieber in den Lächelzwang zu verfallen, anstatt zu weinen, wenn es angebracht wäre?

Ich denke, es ist Angst, Existenzangst. Wir leben nicht in einer Zeit, in der Jobs am Wegesrand liegen. Nehmen wir das Beispiel Auszeit, zum Beispiel den Papamonat. Es gibt diese Möglichkeit, im Hintergrund läuft das Denken aber anders: Was sagen denn die anderen, wenn ich mir jetzt diese Auszeit nehme? Nehmen mich die dann noch als vollwertigen Mann wahr? Und erst recht schwierig wird es, wenn man sich einmal psychische Probleme eingestehen muss. Es wäre leichter, eine schwere körperliche Erkrankung zu kommunizieren, als eine psychische. Über Krebs zu sprechen ist in gewisser Hinsicht einfacher als über Depressionen. Und da fragen sich viele Gefährdete: Was denkt sich der Chef, wenn ich sage, ich kann nicht mehr? Deshalb wird häufig zur Selbstmedikation gegriffen, um über die Runden zu kommen.

Gibt es ein männliches und ein weibliches Burnout?

Tendenziell würde ich sagen, dass Männer länger verdrängen als Frauen. Frauen können immer noch besser über ihre Probleme reden. Wenn es dem Mann nicht gut geht, beginnt er vielleicht auch zu sprechen, aber nicht unbedingt über sich, sondern mehr über Sport, Autos oder Frauen. Eine Frau, die unter einer Suchterkrankung leidet, kommt in der Regel früher zu uns als ein Mann, der an einer Suchterkrankung leidet. Eine Frau ist im Durchschnitt sechs bis acht Jahre suchtkrank, ehe sie Hilfe zulässt, ein Mann zwischen acht und zwölf Jahre.