Gerade in der Zeit, in der die Sexualhormone verrückt spielen, erscheint uns das Gegenüber auch attraktiver. Neue oder wieder erwachende Verliebtheit wird zudem besonders intensiv wahrgenommen. Für eine solche Gefühlshochschaubahn sind sogenannte Neurotransmitter verantwortlich - Botenstoffe, welche Reize von einer Nervenzelle zu einer anderen Zelle weitergeben, verstärken oder modulieren.

Dopamin lässt uns auf einer Welle von Lust und Leidenschaft surfen. Es macht die Liebe rauschhaft und aufregend. Auch Serotonin wirkt wie ein Rauschmittel. Es ist der Stimmungsaufheller unter den Botenstoffen. Man fühlt sich zufrieden, ist motiviert und will umarmen und festhalten. Endorphine wiederum machen high - euphorisch und glücklich. Bleibt zuletzt noch das Kuschelhormon Oxytocin zu erwähnen. Es wird verstärkt bei Zärtlichkeiten ausgeschüttet und sorgt für den Wunsch nach Geborgenheit sowie körperlicher und geistiger Nähe.

Einfluss der Sexuallockstoffe

Auch könnten chemische Sexuallockstoffe, sogenannte Pheromone, unterbewusst die Aufmerksamkeit des Gegenübers steigern. Im Tierreich sind solche Signalstoffe, die Informationen unter Artgenossen übermitteln, allgegenwärtig. Insekten finden ihre Sexualpartner tatsächlich auch über abgesonderte Botenstoffe. Beim Menschen sind zwei Substanzen im Blickfeld: Androstadienon findet sich in der Samenflüssigkeit und in den Achselhöhlen des Mannes, Estratetraenol wurde im Urin von Frauen nachgewiesen. Studien deuten darauf hin, dass die beiden geruchlosen Stoffe bei Vertretern des jeweils anderen Geschlechts zumindest die Laune heben. Ob sie auch die sexuelle Wahrnehmung beeinflussen, ist wissenschaftlich allerdings noch umstritten.

Die Suche nach dem Prinzen

Manche Forscher zweifeln grundsätzlich an der Existenz der Frühlingsgefühle. Es scheint auch so zu sein, dass sie nicht jedem Menschen gleich zuteil werden. Denn "dadurch, dass wir sehr artifiziell leben, wird dieser exogene Einfluss der Natur reduziert", betont Huber. Da könne es auch dazu kommen, dass diese saisonalen Jahreszyklen, in denen wir schon in der Steinzeit standen, immer weniger werden. Menschen unternehmen zum Beispiel im Winter Reisen in die Sonne, um der kalten Jahreszeit zu entfliehen und ihrem Hormonhaushalt "Gutes" zu tun. Dadurch könnten in Folge die natürlichen Reize im Frühjahr abgeschwächt werden. Auch die Antibabypille scheint ihr Übriges dazu beizutragen, dass hormonelle Vorgänge verändert werden, zudem auch die Pheromonaktivität gleichgeschaltet wird. Daher der Rat des Experten, um den Frühlingsgefühlen gerecht zu werden: "Wenn man den Prinzen sucht, soll man die Pille weglassen."

Für die Zeugung von Nachwuchs scheint der Frühling nur bei Tieren eine effektive Jahreszeit zu sein - weniger beim Menschen. "Der Ingenieur Mensch greift seit 50 Jahren in die Erhaltung der Art und Fortpflanzung massiv ein", so Huber. Dies hat zur Folge, dass die Planung häufig das Frühjahr als Geburtstermin vorsieht und nicht als Zeit der Zeugung.