"Weniger gutes Marketing"

"Jede Art entwickelt sich über eine Zeitdauer. Eine Linie aufzugeben bedeutet, sie in der Evolution für immer zu verlieren. Aber mit begrenzten Ressourcen kann man nur so viel Gutes wie möglich tun - sprich den bestmöglichen Artenschutz gewährleisten", sagte Tierschutz-Aktivist Paul Waldau, Professor für Anthrozoologie am Canesius College in Buffalo im US-Staat New York, zur "Wiener Zeitung" am Rande der IAWS-Konferenz. Er empfiehlt eine pragmatische Vorgangsweise, die "Brückenpfeiler" der Evolution an erste Stelle setzt. Darin müssten jene Arten, deren Aussterben ganze Ökosysteme beschädigen würde und ein weiteres Absinken der Biodiversität zur Folge hätte, oberste Priorität bekommen. Beispiele: "Elefanten reißen Bäume aus, an deren Stelle Pflanzen wachsen, von denen sich andere Tiere ernähren, deren Exkremente wiederum die Pflanzen düngen. Und Bisons zertrampeln den Boden, was Samen absinken und Wiesen wachsen lässt." Auch unauffälligere Käfer oder Würmer, "die ein weniger gutes Marketing genießen", seien in den meisten Fällen zu erhalten.

Doch haben Käfer die gleichen Rechte wie Katzen oder das Tier Mensch? "Intellektuell gesehen ja. In der Praxis ist das aber nicht umsetzbar. Wir können nicht-menschlichen Tieren nur Rechte einräumen, die sie schützen", findet Waldau. In erster Linie müsste Menschen aber "wieder zu verantwortungsvollen Mitgliedern der Gesellschaft werden, die sich in ihre Umwelt einfinden und den angerichteten Schaden wieder gutmachen. Wenn wir das tun, wird es eine schöne Welt sein. Der Artenreichtum reflektiert das menschliche Befinden als Ganzes." Somit ist der Artenschutz, egal ob wir alle retten oder nicht, immer auch die Arbeit des Menschen an sich selbst.